Das geht ja gar nicht

Mir fällt in der letzten Zeit aufgefallen, dass die Haltung von jeder Lappalie bodenlos empört zu sein, immer mehr um sich greift. Stellvertretend dafür steht für mich die Floskel „das geht ja gar nicht“. Ich höre sie nicht nur häufiger als früher, ich benutze sie sogar selbst gelegentlich.
Meine These ist nun, dass die Aufmerksamkeitsalgorithmen – oder vielleicht treffender Hassalgorithmen – der kommerziellen sozialen Netze dafür verantwortlich sind. Ein Teil der Gesellschaft übt sich ständig darin, empörter als alle anderen zu sein. Das färbt auf ihr alltägliches Verhalten ab. Und damit erreicht es die Menschen in ihrer Umgebung. Empörungsfloskeln werden also mit Hilfe von Maschinen eingeübt und das Eingeübte sickert dadurch in die alltägliche Sprache und formt damit unsere Weltsicht.
Soweit meine Behauptung. Beweisen kann ich sie nicht, aber ich kann sie mit einer offenkundigen Korrelation stützen (und ja, ich weiß, dass Korrelation keine Kausalität impliziert. Nennen wir es einfach einen Datenpunkt, der meine Annahme stürzt).

Ich habe Googles Books Ngram Viewer befragt: zuerst die Häufigkeit für „das geht ja gar nicht“ und dann stellvertretend für alle kommerziellen sozialen Netzwerke „Twitter, Facebook

Für mich folgt daraus, aus jeder Empörung – vor allem auch der eigenen – erst einmal die Luft zu lassen. Es gibt Sachen, die empörend sind. Aber das Etikett überall dranzukleben entwertet die wirklich wichtigen Dinge.

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