Ein Herz in Kessebüren

Vor genau vier Wochen entliessen wir ein Holzherzkühlschrankmagneten in die Freiheit. Er residiert lange an unserem Kühlschrank, musste aber einer Auräumaktion weichen. Wir brachten es aber nicht übers Herz den Holzherzkühlschrankmagneten einfach wegzuwerfen. Also wurde er auf einen Spaziergang in Kessebüren mitgenommen und fand seinen Platz auf einer kleinen Brücke über der Eisenbahn zwischen Unna und Fröndenberg.

1. März

Heute waren wir – vier Wochen später – wieder dort. Ich war absolut sicher, daß das Herz längst weg war. Der Misanthrop in mir war überzeugt, dass irgendjemand das Herz genommen und einfach weggeworfen hat. Der Menschenfreund in mir hoffte dagegen, dass jemand es mit nach Hause genommen hat und sich daran erfreute.

28. März

Aber es war noch da. Ich war verblüfft. Und es hing inzwischen woanders, war also von Spaziergängern nicht nur gesehen worden, sondern sie hatten es in die Hand genommen und woanders platziert. Dabei fragten sie sich sicher wo es wohl herkommt und wer es auf diese kleine Eisenbahnbrücke gebracht hat.

Die Vorstellung gefällt mir. Sie hat eine gewisse Poesie. Und falls einer der Spaziergänger zufällig über diesen Post stolpert, kennt er jetzt auch ein paar Antworten.

Memento für eine Website

Jede Website, die einen Link auf eine externe Seite legt, hat ein Problem: das Ziel kann plötzlich verschwinden oder der Inhalt ändert sich. Das ist ziemlich blöd, wenn man im eigenen Text Bezug auf irgendetwas auf der externen Seite nimmt und plötzlich steht das was ganz anderes (im schlimmsten Fall gehört der externe Inhalt jetzt einem Domaingrabber und irgendwelche hässliche Reklame steht dort).

Zu Hilfe kommt da das Memento. Ein Memento   ist die gelehrte Bezeichnung für eine „zu einem früheren Zeitpunkt gekapselte Internet-Ressource“. Oder anders gesagt: ein eingefrorener Schnappschuss von der Zielseite zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Solche Mementos kann jeder in der Wayback Machine des Internet Archives herstellen.

Im Formular der Wayback Machine gibt es dafür den Punkt Save Page Now. Einfach die gewünschte URL einfüllen, Knopf drücken und zurück bekommt man den Link auf den Schnappschuss 1. Meistens jedenfalls; ab und zu streikt der Server und von Seiten, die via robots.txt geblockt sind, bekommt man auch kein Memento.

Es gibt übrigens auch als Firefox-Addon   und als Chrome-Extension.

Hier im Blog werde ich in Zukunft an alle relevanten Links noch einen zweiten Link anhängen, der durch das Logo des Internet Archives   gekennzeichnet ist und zur der Version führt, die ich meinte, als ich den Post schrieb.

Flugscham und Microplastik

Irgendwo las ich, dass in Schweden der Begriff der Flugscham aufgekommen ist. Scham in dem Sinn, dass ich etwas unanständiges tue, das gegen soziale Normen verstößt. Das sind aktuell vermutlich (noch) nicht die Normen einer Mehrheit, aber mir persönlich wichtig.

Ich schreibe diese Zeilen auf Formentera und bin vor einer Woche mit einem Flugzeug hierher gekommen. Flugscham empfinde ich daher gerade sehr deutlich.

Es Calo

Passend dazu kommt der moderne Ablasshandel in Form von z. B. Atmosfair Ich kompensieren meine 500kg CO2, indem ich z. B. effektivere Öfen in Lesotho mit einer Spende fördere. Atmosfair geht dabei sehr transparent und pragmatisch vor und unterstützt z. B. aus – wie ich finde – guten Gründen keine Wiederaufforstung. Aber trotz kompensierender Spende bleibt ein schlechtes Gewissen. Und die Frage: Können die paar Euro wirklich die Menge CO2 aufwiegen?

Vor Ort bin ich dann in San Francesc über dieses Plakat gestolpert:

Plakat

Erste Reaktion : Plastik an den Stränden hier? Kann doch gar nicht sein. Bis wir genauer hingeschaut haben. Und erst einmal ein paar wenige größere Plastikstücke aufgesammelt haben, dann kleinere und noch kleinere. Das war, denkt man sich, rührt etwas im Sand und findet noch mehr. Dann kann man gar nicht mehr so richtig aufhören und sammelt immer wieder kleine Plastikstücke auf. Sie nehmen kein Ende. Letztlich hat man ein paar Quadratmeter einigermaßen gründlich von Plastik befreit, aber es bleibt noch unendlich viel mehr übrig.

Trotzdem war diese Erfahrung nicht nur ernüchternd, denn sie war begleitet von einem schönen Moment, in dem ein Franzose uns beobachtete und spontan etwas mitgesammelt hat. Man kann also tatsächlich – mit etwas Glück – jemanden motivieren etwas zu tun, einfach, indem man es selber tut.

Aus dem gesammelten Plastik werden in diesem Fall Kunstobjekte, die Sol Courreges Boné fertigt.

Wenn MySQL stirbt…

Es begann harmlos: In meiner Friendica-Instanz wurde ein Bild nicht geladen. Als ich mir das genauer ansah, stellte sich heraus, dass das Bild aus der Datenbank gezogen wurde und dabei ein Mysql Server gone produzierte. Im Log von MySQL tauchten dazu so hässliche Meldungen wie diese auf:

[...]
Some pointers may be invalid and cause the dump to abort.
Query (7feb68c6ba50): is an invalid pointer
Connection ID (thread ID): 6
Status: NOT_KILLED
[...]

Bei dem NOT_KILLED blieb es nicht immer, nach ein paar weiteren Versuchen war der MySQL-Server tatsächlich tot … liess sich aber noch neu starten. Die naheliegende Rettungsmöglichkeit Backup einspielen scheiterte daran, dass seit einiger Zeit das Backup via mysqldump abgebrochen war und zwar in der Friendica-Tabelle conversation.

Also musste ich reparieren.

Um nicht noch mehr Datenverlust zu riskieren, habe ich erst mal das Datenverzeichnis kopiert:

cp -rfv /var/lib/mysql /var/lib/mysql$(date +%s)

Danach veruschte ich zu retten, was zu retten ist. Im Error-Log von MySQL wurde ich auf http://dev.mysql.com/doc/refman/5.7/en/forcing-innodb-recovery.html verwiesen … das funktionierte nur leider nicht.

Nächster Versuch: da ich durch das Backup etwa wusste, ab welchem Datensatz etwas kauptt war, versuchte einfach ab dort ein paar Datensätze zu löschen. Ergebnis: der MySQL Server fiel komplett aus und lissß sich nicht mehr starten. In dem Moment war ich wirklich froh vorher das Datenverzeichnis in Sicherheit gebracht zu haben.

Die Lösung war dann recht rüde: ich habe conversation per TRUNCATE geleert und danach noch photo (gleicher Fehler).Jetzt liess sich endlich ein Dump ziehen. Noch schnell die Datenbank gelöscht und via Dump neu aufgesetzt. Alles lief danach wieder normal … magischerweise sogar Friendica, jedenfalls weitestgehend.

Was habe ich daraus gelernt?

  1. Mache von jeder Datenbank auf deinem Server ein einzelnes Backup (--all-databases ist eine schlechte Idee)
  2. Kontrolliere den Rückgabestatus von mysqldump

Oder als Skript (vereinfachte Kurzfassung):

doBackup () {
   mysqldump -u $1 -p$2 $3 > $3.dump
   if [[ $? -eq 0 ]]; then
     gzip $3.dump
   else
     echo >&2 "backup of $3 failed"
     exit 1
   fi
 }

doBackup "USER" "PASSWORD" "DB
 […]