Blog und Erinnerung

Herr Buddenbohm zitiert Garcia Márquez und ich zitiere ihn und damit gleich beide.

„Nicht, was wir gelebt haben, ist das Leben, sondern das, was wir erinnern und wie wir es erinnern, um davon zu erzählen.“

Insofern ist dieses Blog also meine Wirklichkeit. Und das ist sehr gut so, denn da werden erfreulich viele Aspekte ausgeblendet, so dass es alles viel angenehmer wirkt. Ich werde in meinen letzten Minuten auf dieser Erde nicht mein Leben, sondern lieber die Texte dieses Blogs an mir vorbeiziehen lassen. Das ist eine wesentlich heiterere Vorstellung.

Das passiert auch in diesem Blog. Ich erzähle ausgewählt aus meinem Leben, bevorzugt von Reisen und Dingen, die mir Freude bereitet haben. Und wenn sie mir weniger Freude bereitet haben, dann doch untermalt von freundlicher Ironie.

Was hier nicht stattfindet, sind die Dinge, die ich nicht mag, die mir auf die Nerven gingen, die mich über Gebühr frustrierten. Warum sollte ich ihnen hier noch einmal Raum geben? Das erzeugt nur Bitternis. Tatsächlich habe ich im Nachhinein deswegen schon mal – sehr selten – einen Post gelöscht.

Was hier auch nicht stattfindet, sind die Ereignisse, für die ich nicht die passenden Worte finde, wie den Tod meines Vaters im Februar. Er wird mir ohnehin präsent sein.

Am letzten Wochenende sahen. Daniela und ich uns im Kino Glennkill an. Darin gibt es eine Szene, in der die Schafe bis drei zählen und dann ein belastendes Ereignis vergessen. Das weiseste Schaf der Herde kann aber nichts vergessen und das klügste Schaf der Herde begreift, dass die Erinnerung auch an schmerzliche Momente wichtig ist.

Und das ist, worum es mir (ganz allein für mich) auch in diesem Blog geht: mich zu erinnern. An die wichtigen schmerzlichen Momente werde ich mich auch ohne Blog erinnern, aber die schönen Momente dürfen gerne etwas unterstützt werden. Und der alltägliche Huddel darf gerne vergessen werden.

Gräser im Wind

Vor ziemlich vielen Jahren waren Daniela und ich mal an einem regnerischen Tag im Nolde-Museum in Berlin. Im Vorraum lief als Einstimmung auf die Küstenlandschaft, die Emil Noldes Werk prägte, auf einem Monitor ein Video, das einfach nur Gräser zeigte, die vor blauem Himmel im Wind hin und her schwankten.

Dieses ruhige bewegte Bild habe ich bis heute nicht vergessen. Es brachte in mir eine Saite zum Schwingen, die bis heute nachhallt.

Irgendwann werde ich an einem meditativen Ort ein Stativ aufstellen und in einer endlosen Schleife Gräser im Wind filmen.

Bis dahin muss erst einmal ein kurzer Clip ausreichen.

Warten im Wechsel der Jahreszeiten

Dank Home-Office-Vertrag pendele ich nur noch etwa ein Mal pro Woche nach Essen. Der Teil mit dem Bahn fahren beginnt dabei immer in Kamen.

Anfang des Jahres hatte ich den Gedanken das morgendliche Warten auf den Zug im Bild festzuhalten. Beginnend beim gefühlt nächtlichen Reisen im Januar bis zur hell erleuchteten Variante jetzt im Juni.

Und wie das so bei Sachen, die man regelmäßig macht, etablieren sich Rituale. Wie zum Beispiel, daß ich immer an der selben Stelle am Gleis auf den Zug warte. Was dann auch eine schöne Gelegenheit ist, den Bahnsteig gegenüber aus immer der gleichen Perspektive zu fotografieren.