Horizonterweiterung Januar 2023

Hippopotomonstrosesquippedaliophobie

Vor ein paar Tagen hörte ich in einem Gespräch, dass Hippopotomonstrosesquippedaliophobie das längste Wort der deutschen Sprache wäre. Es kam mir reichlich seltsam vor und eine schnelle Recherche bestätigte meine Vermutung.

Schauen wir uns mal dieses lateinisch/griechische Monstrum genauer an:

hippopotamusNilpferd
monstrosgroß
sesquieineinhalb
pedalFuß
phopbieAngst

Ein Blick auf die Tabelle macht auf Anhieb deutlich, dass das ein Scherz ist, ein Hoax. Angeblich wäre die korrekte Bezeichnung Sesquipedalophobie, also die Eineinhalbfußangst. Aha, echt jetzt?

Wenn es um lange Worte geht, bleibe ich dann doch lieber bei Supercalifragilisticexpialigetisch.

CO2-Fußabdruck

Gerüchteweise hatte ich es schon einmal gehört, aber erst durch einen Beitrag auf WDR 5 habe ich mal nachgeforscht: der CO2-Fußabdruck ist eine Erfindung von BP aus dem Jahr 2004. Das Ziel war es davon abzulenken, dass Energiewirtschaft und Industrie mit Abstand die meisten Treibhausgase ausstoßen. Und die Strategie funktioniert, denn die Verlagerung der Verantwortung in den persönlichen Raum führt oft genug zu Frustration. Die Debatte wird verengt auf persönlichen Verzicht.

Natürlich ist es sinnvoll, das eigene Verhalten im Sinne des Fußabdrucks zu prüfen, aber es bei weitem nicht so wichtig, wie Druck auf Politik und Wirtschaft auszuüben, dass endlich massiv umgesteuert wird.

Mehr zum Thema gibt es hier.

Das Fediverse und die Blogs

Vor einem Jahr habe ich mit den hervorragenden Plugins von Matthias Pfefferle scaldra.net ins Fediverse gebracht. Oder anders gesagt: WordPress mit einer ActivityPub-Schnittstelle versehen. Aber bereits zu dem Zeitpunkt fragte ich mich, wie denn ein Blogpost am besten zu z.B. Mastodon geteilt wird. Wirklich im Volltext oder doch besser nur mit einem Teaser?

Inzwischen sehe ich den Blogpost als so etwas wie einen Vortrag: jemand erzählt und einige/viele hören zu. Ein Blog mit Kommentarfunktion ist dann so etwas wie ein Vortrag mit anschließender Diskussion. Dagegen ist das, was auf den ActivityPub-getriebenen Plattformen wie Mastodon stattfindet, eine Unterhaltung. Jeder trägt kurze Schnipsel bei und wenn es in einen länglichen Monolog ausartet, dann wird es nervig.

Als Konsequenz sind die alten Plugins jetzt weg und wurden durch Mastodon Autopost ersetzt. Der Blogpost wird einfach nur automatisch – sozusagen in einem Satz – in meinem Account bekannt gegeben. Denn das war eine weitere Irritation: Das Blog hatte seine eigene beschränkte Social Media Identität und daneben hatte ich noch meinen normalen Mastodon-Account. Das passte einfach nicht zusammen.

Und es kann durchaus sein, dass ich demnächst an dieser Stelle auf jede Automatisierung verzichte und meine „Vorträge“ lieber manuell verbreite.

Bertrand Russell über das Altern

If you have wide and keen interests and activities in which you can still be effective, you will have no reason to think about the merely statistical fact of the number of years you have already lived, still less of the probable shortness of your future.

Bertrand Russell – How to Grow Old in „Portraits From Memory And Other Essays“

Da ich schon länger in einem Alter bin, in dem ich mehr Lebenszeit hinter, als vor mir habe, lohnt es sich über das Altern nachzudenken.

Russells Vorschlag ist einfach: interessiere dich für die Welt und sei aktiv, dann drehst du dich nicht so bauchnabelschauend um dich selbst und hast mit dem Alter weniger Probleme. Das ist durchaus glaubhaft, wenn man sich sein Leben anschaut. Er wurde 97 und war bis zu seinem Tod aktiv.

Der Ratschlag kommt von jemand, der nicht nur weltbekannter Mathematiker, Philosoph und Pazifist war, sondern auch noch mit einem Nobelpreis für Literatur geehrt wurde. Ein ziemlich großes Spektrum. Beeindruckend. Etwas einschüchternd.

Glücklicherweise muss ich da nicht konkurrieren, sondern mir erst einmal nur Gedanken darüber machen, ob er da recht haben könnte. Und wenn ja, wie es denn so um meine Interessen bestellt ist.

Mindestens eine Sache fällt mir ein, die mich wach hält und der ich bis ins hohe Alter nachgehen kann: bloggen.

Schon mal ein Anfang.

Gelernt Dezember 2022

Kakao und Hunde

Kakao – und damit auch Schokolade – ist für Hunde (übrigens auch Katzen) giftig. Er enthält Theobromin, das schon in erstaunlich geringen Dosen zu einer Theobrominvergiftung führt. Bereits ein Teelöffel davon oder ein Riegel Zartbitterschokolade hätte auf Frida eine ganz hässliche Wirkung. Ich bin froh, dass sie von Anfang an Hundefutter bekommen hat und nicht mal eben etwas vom Tisch.

Bei einem Blick auf die Strukturformel von Theobromin hätte ich irgendwas mit Brom erwartet, aber tatsächlich setzt sich der Name aus theós ‚Gott‘ und broma ‚Speise‘ zusammen: Götterspeise. Vermutlich liebte der Entdecker des Alkaloids, der Herr Woskressenski, Schokolade.

Dunkeltuten

Im Blog von Herrn Buddenbohm blieb ich an dem Wort dunkeltuten hängen. Er erläuterte es auf der Seite nicht und so machte ich mich auf die Suche. Es bedeutet so viel wie „herumhängen“ und hat seine Wurzeln vermutlich in der Schiffahrt. Geriet früher ein Schiff in eine Nebelbank – vielleicht sogar nachts – blieb der Besatzung nichts anderes übrig als regelmäßig Signal zu geben und abzuwarten. Also im Dunkeln tuten und herumhängen.

… nennen sich Auslassungspunkte und durch das Fediverse habe ich gelernt, dass sie durch ein Leerzeichen von den anderen Worten des Satzes getrennt werden müssen. Herausgefunden habe ich das durch diesen Tröt von Sofasophia.

Aber nicht immer wird das Leerzeichen gebraucht, was sich auch schön illustrieren lässt: so ein Sch…

Essentialismus und Minimalismus

Ich würde meine Methode deshalb auch nicht Minimalismus, sondern Essentialismus nennen: Ich verzichte auf Dinge, die mir nichts bedeuten, gebe aber Geld für Sachen aus, die andere Leute vielleicht als sinnlosen Luxus betrachten, guten Wein und gebundene Bücher zum Beispiel. Es geht darum, herauszufinden, was einem persönlich wirklich wichtig und unverzichtbar ist. Der Rest kann weg.

Meike Winnemuth – Bin im Garten

Vor gut zehn Jahren bevölkerten plötzlich recht viele Minimalismus-Blogs das Netz. Ich fand das sehr unterhaltsam, da ich selbst mit allzu viel Zeug nichts anfangen kann und ich auch nicht gerne Sachen kaufe. Aber relativ schnell breitete sich da so eine kleinkarierte Erbsenzählerei aus, die sich in einem immer absurderen Wettbewerb zum Thema „wer kann wohl mit den wenigsten Dingen leben“ äußerte. 100 Dinge müssen doch wohl genug sein! Ist ein Paar Socken jetzt ein Ding oder zwei?

700 Jahre früher gab es das schon mal, als die Franziskaner über die richtige Umsetzung des Armutsideals stritten. Da wurden dann von einer Fraktion die Kutten gekürzt, sodass sie nur noch knapp über den Po reichten. Der Streit wurde so erbittert ausgetragen, dass letztlich einige Verfechter des extremeren Armutsideals auf dem Scheiterhaufen endeten.

Dagegen war die Minimalismusdebatte harmlos. Aber diese humorlos verkniffene Auslegung von Lebensentwürfen mochte ich noch nie. Und hatte so immer das Gefühl, dass mich Minimalist nicht passend beschreibt.

Essentialismus dagegen finde ich sehr sympathisch und menschlich. Er kommt nicht mit einem erhobenen Verzichtszeigefinger, sondern richtet die Aufmerksamkeit auf das, was für den einzelnen Menschen wichtig ist. Und das ist für jeden etwas anderes. Den überflüssigen Rest wegzulassen, vereinfacht die Angelegenheit ohne Verzicht. Gefällt mir.

Das Buch von Meike Winnemuth schenkte mir Daniela 2020 zum Geburtstag. Ich habe es nicht nur gerne gelesen, sondern habe auch was daraus mitgenommen. Wie das Zitat oben belegt, das mir beim erneuten Blick in das Buch auffiel.

Horizont erweitern

Es gibt in diesem Blog seit vielen Jahren eine Kategorie, die ich viel zu stiefmütterlich behandele: Horizont erweitern.

Ich bin ein eher neugieriger Mensch und habe daher Freude daran über etwas zu stolpern, was ich aus welchem Grund auch immer interessant finde und bisher noch nicht wusste. Mein Interesse folgt da keinem Schema und ist recht unvorhersagbar.

Beim alltäglichen Herumgewische im Internet poppt da ganz gerne mal das eine oder andere auf, fesselt für einen Moment meine Aufmerksamkeit und versinkt dann wieder im Dunkel des Vergessens.

Das ist sehr bequem, völlig passiv und ziemlich doof.

Viel besser finde ich es an der Stelle etwas nachzuforschen und es mit eigenen Worten zusammenzufassen. So verschwindet es nicht spurlos, sondern im Gegenteil hinterlässt Spuren.

Das war die ursprüngliche Motivation für diese Kategorie. Und dann kam – siehe oben – die Bequemlichkeit und es läpperte immer wieder weg.

Diesmal probiere ich es mit einem Trick: in diesem Blog schlummert ein Eintrag für Dezember, der automatisch am 31. um 23:59 veröffentlicht wird. Er enthält zunächst mal nur den Satz „Diesen Monat habe ich nichts gelernt“. Da ich eine Veröffentlichung von so einem Satz dann doch peinlich finde, muss er durch Inhalt ersetzt werden.

Für Dezember ist mir das jetzt schon mal gelungen, das Ergebnis kann am 1. Januar besichtigt werden.

Ich vermisse nichts

Hier ist die tiefste Nebensaison. Die Campingplätze sind geschlossen, einige Hotels ebenfalls und die Ferienwohnungen sind nur spärlich besetzt.

Das Wetter ist grau und Wolkenlücken selten, aber es regnet auch nicht.

Ein schwarz-weiß Bild vom Watt
Das Watt

Wir laufen den Strand entlang oder durch den Wald. Es sind nur wenige Menschen unterwegs.

Es ist ruhig.

Gelegentlich sitzen wir im Warmen – im Kliff oder im Leuchtfeuer – essen Kuchen und trinken Milchkaffee. Oder Backfisch und ein Bier.

Oder wie jetzt in unserem Vogelnest mit Blick auf die See, die langsam im Dunkel verschwindet.

Ich vermisse nichts.

Kugelbake

Heute habe ich drei Dinge gelernt:

1. Duhnen und Döse sind – freundlich formuliert – nicht so mein Fall. Sahlenburg gefällt mir besser.

2. Die Kugelbake – das Wahrzeichen von Cuxhaven, das die Grenze zwischen Elbe und Nordsee markiert – heißt Kugelbake, weil ursprünglich ursprünglich zwei Kugel oben auf der Konstruktion trohnten. Inzwischen wurden sie durch kreisförmige Scheiben ersetzt. Und sie ist der nördlichste Punkt Niedersachsens.

Die Kugelbake in Cuxhaven
Die Kugelbake

3. Einer dieser Pinguine im Zoo von Döse heißt auch Frida. Ich weiß aber nicht welcher.

Pinguine im Zoo von
Pinguine im Zoo von Döse

Übrigens: Frida ist heute genau ein halbes Jahr alt.