Worpswede (und Fischerhude)

Es ist verblüffend, wie grundlegend falsch die eigenen Vorstellungen von einem Ort sein können. Wir stellten uns Worpswede eher als Dorf vor, wie wir es kennen : Kirche in der Mitte und recht eng darum gruppieren sich einige Häuser. Dazu kamen im Kopf noch ein paar Bilder aus dem Film Paula.

Die Wirklichkeit war völlig anders: vielleicht lag es daran, dass der Ort fast menschenleer war oder dass die Gebäude verstreuter lagen als erwartet oder dass die vermeintlichen Bauernkaten der Künstler sich als veritable Villen entpuppten. Wir machten einen Spaziergang den Sliekpadd entlang, sahen die Worpswede Käseglocke (sozusagen der Vorläufer eines Hobbithauses) und den seltsamen Niedersachsenstein (von Herrn Hoetger 1914 erst als Siegesdenkmal für den 1. Weltkrieg entworfen und ab 1916 geschwind in ein Denkmal für die Gefallenen des Krieges umentworfen). Die Aussicht war nett und zwischendurch lag ironisch ein Bootsanleger am Hang. Sogar mit Anzeige der Wasserhöhe.

Die Malerei der Modersohns und der anderen Worpsweder Maler passt perfekt in die Gegend. Man spürt, dass die Bilder etwas mit der Landschaft zu tun haben. Aber wenn ich ehrlich bin, hat mich diese Malerei nie wirklich berührt. Sie schien mir immer etwas bieder. Vielleicht war dann das der letztlich ausschlaggebende Grund, warum ich keinen Zugang zu dem Ort fand.

Fischerhude

Fischerhude gefiel uns besser… war aber auch sehr, sehr ruhig. Nur ein Kätzchen mauzte.

Zurück in Bremen

Nach sehr langer Zeit sind wir mal wieder in Bremen. Und das gleich für ein paar Tage.

Da wir nicht zum ersten Mal hier sind, mussten wir nicht sofort das touristische Programm in Angriff nehmen, sondern konnten in aller Ruhe in die Stadt laufen und unterwegs am Ulrichsplatz schön in der warmen Sonne essen. Dabei kamen wir mit einem Ehepaar (so Ende siebzig) ins Gespräch, die um die Ecke wohnten und uns einiges über die Gegend erzählten. So wissen wir jetzt, dass der Herr Genscher hier mal seine Kanzlei hatte und dass gegenüber in einem Restaurant (heute Kneipe) Loriots Sketch mit der Nudel an der Nase gedreht wurde. Und in dem Geschäft daneben wurde noch ein weiterer Sketch gedreht. Und, und… ganz viele kleine Geschichten. War lustig.

Ansonsten sind wir durch die Stadt geschlendert, haben einer Sängerin zugehört und gleichzeitig Seifenblasen fliegen sehen, unglaublich viele Krokusse bewundert und haben vor dem Heimweg noch an der Weser in der Sonne ein Bier getrunken.

Zwei im Abendlicht

Bäume weg

Erst fiel der eine durch eine Orkanböe um und sein Kumpel lehnte sich zur Unterstützung an die Eiche, dann hingen sie etwas rum und heute kamen zu guter Letzt die Spezialisten mit großem Gerät.

Jetzt sind sie weg. Ging erstaunlich schnell. Wir haben jetzt zwar mehr Wintersonne auf dem Balkon, aber dank dem Kettensägenmassaker der Stadt an den Büschen leider auch weniger Sichtschutz.

Nachtrag 1.3.

Der Hinweis eines Kollegen klärte die Hintergründe des Kettensägenmassaker auf: die Kommune hat nicht genug Geld für einen saisonalen Rückschnitt. Also wird einfach alle paar Jahre alles abgehakt. Nachvollziehbar. Trotzdem doof.

Die Möhne entlang

In Neheim mündet die Möhne in die Ruhr. Da wir mit dem Auto in zwanzig Minuten dort sein können und das Sauerland dann doch etwas anders ist als die Gegend direkt vor unserer Haustür, ist es ein guter Ausgangspunkt für einen Spaziergang.

Der Weg ging erst recht nah an der Möhne flussaufwärts. An einigen Stellen spielte sie dank der ergiebigen Regenfälle der letzten Wochen überzeugend den Gebirgsfluss und rauschte lauter als der Verkehr auf der Bundesstraße.

Die Möhne

Später entfernte er sich etwas vom Fluß und wurde menschenleer. Ab und zu blockierte mal ein dicker Ast oder gleich ein ganzer Baum den Weg; die Orkanböen hatten auch hier ihre Spuren hinterlassen. Daniela ergriff die Gelegenheit und nahm ein paar knospende Äste von einem umgestürzten Baum mit nach Hause. Sie stehen jetzt in einer Vase und vielleicht zeigen sich ja bald ein paar Blätter.

Es fühlte sich alles nach Frühling an: die Vögel zwitscherten um die Wette, die Sonne strahlte aus einem ungewohnt blauen Himmel und das Moos leuchtete mit intensivem Grün jedes Grau weg.

Die Krokusse als Frühlingsboten waren dann das i-Tüpfelchen

Baum liegt rum

Vor ein paar Stunden ist er umgekippt, jetzt liegt er rum.

Das sieht jetzt zwar aus wie eine Hecke, ist aber tatsächlich ein langer dünner Baum in stabiler Seitenlage mit ganz viel Efeu. Sein Kollege rechts im Bild kuschelt immer noch mit der Eiche.

Leider gab es einen kleinen Kollateralschaden: von unserem Sonnenfänger, der schon über unsere Balkonbrüstung leuchtete als Sonnenfänger hier noch ganz unbekannt waren, wurde von einem dicken Ast erschlagen.

Wirklich schade…

Baum fällt

Zeynep wehte uns eben mit einem lauten Knall einen dicken Ast auf den Balkon. Auf den zweiten Blick sahen wir dann, dass da ein ganzer Baum dran gehangen hatte, der jetzt unten im Garten liegt.

Er war dick von Efeu überwuchert und schwankte bei jedem Wind zusammen mit seinem ebenfalls gut überwucherten Nachbarn beängstigend hin und her.

Die Feuerwehr war schnell da, sperrte ab und schaute sich kritisch den noch so halbwegs stehenden Baum an. Er hat sich an eine Eiche gekuschelt und wirkte im Halbdunkel noch einigermaßen stabil….hoffe ich

Idiotischerweise hat die Stadt in den letzten Wochen jedes Gebüsch und jeden jungen Baum im Park weggesäbelt (wunderbare Aussichten auf Parkplätze, Flüssiggastanks und Container eröffnen sich so), aber Bäume stehen lassen, die selbst mir als Laien umsturzgefährdet aussehen.

Nun ja…

Hullerner Stausee

Freundlicherweise fällt die Regenpause diese Woche auf das Wochenende. Und natürlich haben wir es auch diesmal sofort genutzt und haben den Anblick der Sonne mit Wasserglitzern verschönert. Anders gesagt: wir sind bei Sonnenschein einmal um den Hullerner Stausee gelaufen. Der liegt zwar nicht gerade vor unserer Haustür – das tut leider keine einzige größere Wasserfläche – aber wir sind ja neugierig.

Der Weg um den See ist angenehm ruhig, obwohl er durch seine Nähe zum Ruhrgebiet ziemlich belebt ist.

Als ich den See sah, wäre ich am liebsten reingesprungen zu dem schmalen Sandstrand gegangen, um das leise Plätschern aus der Nähe zu hören. Ging nur leider nicht, da es eine Trinkwassertalsperre ist und daher komplett eingezäunt.

Na ja, nicht ganz. Es gibt eine kleine Stelle, an der tatsächlich offiziell Zugang gewährt wird. Natürlich begleitet von einem „Baden verboten“ Schild.

Falls ich mal im Sommer dort vorbei kommen sollte, werde ich da mit Sicherheit die Füße reinstellen. Das ist dann ja noch kein baden.

Ansonsten fühlte es sich an wie Frühling : Vögel zwitscherten, die ersten Blätter ließen sich an Ästen sehen und ein paar Weidenkätzchen schauten sich neugierig den See an.

Batman in Nordkirchen

Ich bin mir sicher, dass nahezu alle Spaziergänger, die an dieser Bank vorbei kommen, an Batman denken.

Batmans Parkbank

Aber es hat nichts mit Comic-Helden zu tun, sondern gehört einfach zum Fledermausweg (durch die Hinweistafel direkt neben der Bank habe ich gelernt, dass Fledermäuse neben Flughunden die einzigen fliegenden Säugetiere sind). Den Weg kannten wir zwar schon, aber es war schon ein paar Jahre her, dass wir dort waren.

Da heute die einzige Sonneninsel inmitten grauer Regentage ist, kamen ausser uns noch viele andere Menschen auf die Idee Schloss Nordkirchen zu besuchen und einen Spaziergang zu unternehmen. Wir waren schlauerweise früh dran und entkam den Massen noch so halbwegs.

Gut vorbereitet, wie wir es manchmal sind, hatten wir einige Kleinigkeiten für ein Picknik auf der Aussichtsplattform mit Blick auf den Tiergarten eingepackt. . Das hatten wir vor ein paar Jahren schon mal mit meinen Eltern gemacht und es ist immer wieder eine gute Idee. Diesmal Kuchen, kandierte Nüsse und Glühwein gegen die Kälte. Plus ein paar Tropfen Cointreau im Glühwein gegen den Wind.

Im Schlosspark war diesmal übrigens nur eine Hochzeitsgesellschaft unterwegs auf der Suche nach dem perfekt feudalen Hintergrund. Ich glaube in der Gegend heiratet niemand ohne sich hier einmal in Szene zu setzen.

Und ich frage mich immer noch, was diese Statue auf der Venusinsel macht.

Traubenkegeln, trunkene Sportgymnastik oder Rebenweitwurf. Wer es weiß, der melde sich bitte bei mir.