bookmark_borderSeehospital Nordheimstiftung

In Sahlenburg wurde mit den Spenden von Marcus Nordheim und Mathilde Emden Anfang des letzten Jahrhunderts das erste Seehospital Deutschlands gebaut. Dort wurden Kinder, die in Hamburg unter elenden Bedingungen lebten, gegen Tuberkulose und Skrofulose behandelt. Das Nordseeklima war ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.

In den über einhundert Jahren seitdem hat das Hospital mehrfach seine medizinische Ausrichtung geändert und seit letztem Jahr ist es endgültig geschlossen.

So verwandelt sich die Anlage, vor allem der älteste noch erhaltene Teil, in einen lost places.

Das sieht gelegentlich sogar etwas gruselig aus.

bookmark_borderSahlenburg

Ohne Frida wären wir vermutlich nicht hier, aber da sie noch nicht gechippt ist, darf sie Deutschland nicht verlassen. Und alleine lassen wollten wir sie auch nicht. Also suchten wir etwas mit Sandstrand an der Nordsee. Da wir auf dem Festland bleiben wollten, bot sich das Cuxland an. Es wurde Sahlenburg, ein Vorort von Cuxhaven.

Die Anreise gestaltete sich dank Google etwas anstrengend: erst leitete das Navi uns um eine nicht existierende Autobahnsperrung herum, dann wollte es uns beharrlich auf den gesperrten Teil der Autobahn leiten. Darauf sind wir allerdings nicht mehr reingefallen.

Sahlenburg ist sicher nicht die Perle der Nordsee. Obwohl schon 1350 das erste Mal erwähnt, scheint es heute im Wesentlichen aus einem großen Campingplatz und zwei Hochhäusern zu bestehen (das ist natürlich übertrieben, aber der allererste Eindruck ist wirklich so). In einem der beiden Hochhäuser liegt im 11. Stockwerk unsere gemütliche Unterkunft mit Blick auf die nur 300 Meter entfernte Nordsee. Jedenfalls theoretisch, denn bei unserer Ankunft verschleierte Novembernebel jede Aussicht.

Also gingen wir einfach mal direkt zum Strand um nachzuschauen. Sie lag ruhig in feinster Novemberstimmung mit leiser Melancholie da.

Für Frida dagegen war es das große Abenteuer. Sand, Wasser, komische neue Dinge im Wasser und dann noch andere Hunde. Und sie durfte frei laufen. Womit sie gar nicht mehr aufhörte. Alles so aufregend.

Frida rennt durchs Bild

Am Ende unseres Spaziergangs gab es für uns Burger und Bier im Kliff, während es draußen dunkel wurde.

Und jetzt – am nächsten Morgen – zeigt sich, dass die Wahl unserer Unterkunft doch ganz klug war. So eine Aussicht ist schon was Feines.

bookmark_borderDer Mittagsschlaf und ich

Der Mittagsschlaf ist eine Inbesitznahme der eigenen Zeit, die sich dem Controlling entzieht. Die Siesta ist emanzipatorisch.

Thierry Paquot – Die Kunst des Mittagsschlafs

Seit ich mich häufiger im Homeoffice aufhalte, wäre der Mittagsschlaf organisatorisch eigentlich gar kein Problem. Trotzdem findet er – wenn überhaupt – nur an Wochenenden oder Feiertagen statt. Was mich an einem erholsamen Einnicken hindert, ist die gedankliche Verstrickung in die Arbeit. Sie muss erst fortgeräumt werden, bevor das Dösen gelingen kann. Gefühlt könnte das aber so lange dauern, dass dann der Feierabend schon in Sicht wäre. Den Mittagsschlaf als Emanzipation gegen die Zumutung der werktäglichen Arbeit einzusetzen, scheitert bei mir, leider.

Andererseits weist Paquot selbst darauf hin, dass besonders kluge/durchtriebene Arbeitgeber ja den Mittagsschlaf anordnen könnten, da bekanntlich ein Powernap die Effizienz des Arbeitenden steigert.

So gesehen ist mein Unvermögen zu einer werktäglichen Siesta und das Verlagern dieses angenehmen Zustandes auf freie Tage letztlich dann doch ein emanzipatorischer Akt.

bookmark_borderLyrik im Rombergpark

Mit Hund ist man bekanntlich häufig an der frischen Luft und ein besonders schöner Ort um an der frischen Luft zu sein ist der Rombergpark in Dortmund. Das Wetter war einladend und so sind wir nach dem Frühstück aufgebrochen.

Frida war begeistert; ganz viele neue, spannende Wege. Am liebsten hätte sie noch Eichhörnchen und Enten gejagt. Durfte sie nicht, aber der Rest war dann immer noch so aufregend für Frida, dass sie den Rückweg im Auto verschlief.

Auf dem Weg durch den herbstlichen Park trafen wir immer wieder auf Transparente, auf die Gedichte aufgedruckt waren. Es war klug ausgewählte Poesie, die vom Herbst erzählt und eine Beziehung zum Park aufbaute. Ich bin nicht sonderlich Lyrik-affin, aber diese Mischung aus Landschaft, Jahreszeit und Poesie mag ich sehr.

Die Wege im Park machen immer wieder überraschende Wendungen und eröffnen neue Ausblicke. Die Lyrik im Park hatte für mich den gleichen Effekt. Ein Beispiel: „es – immer wieder gelingt es“ ist von Eugen Gomringer, der als der Begründer der konkreten Poesie gilt. Konkrete Kunst kenne ich, konkrete Poesie nicht. Ich bin neugierig.

Dann gab es noch Kaffee und Kuchen – draussen! – im Café Orchidee und etwas Kunst von Bernd Moenikes, die wir sehr mögen.

Parkbesuche sind was Feines.

bookmark_borderFormale und substanzielle Freiheit

In Anfänge von David Graeber und David Wengrow bin ich auf zwei Aspekte des Begriffs Freiheit gestoßen, die viel von nicht nur meinem Unbehagen an unserer Gesellschaftsordnung erklären.
Auf der einen Seite ist da die formale Freiheit, unser durch das Grundgesetz garantierte Inbegriff der Freiheit. So haben wir zum Beispiel die Freiheit, jederzeit zu reisen, wohin wir wollen.
Dem gegenüber fragt die substanzielle Freiheit danach, was sich tatsächlich umsetzen lässt. So erlaubte erst das 9-Euro-Ticket vielen Menschen wenigstens in benachbarte Städte oder mit etwas Geduld in andere Bundesländer zu reisen. Genau das ist das Problem: erst mit zunehmendem Reichtum habe ich auch die Möglichkeit, die formale Freiheit auszukosten. Ohne Geld bleibt die formale Freiheit bedeutungslos.
Genau das ist das Missverständnis bei der Freiheit in den westlichen Ländern: garantiert wird formale Freiheit, erwartet aber substanzielle Freiheit. Die Enttäuschung und Frustration kann überall beobachtet werden.

bookmark_borderFrida

Hätten wir in aller Ruhe und unter Berücksichtigung aller Eventualitäten darüber nachgedacht, ob wir wirklich einen Hund in unserem Leben haben wollen, wäre Frida heute vermutlich nicht bei uns.

Ist sie aber. Und das ist schön.

Frida im Strandkorb

Ein Stapel von Zufällen führte letztendlich dazu, dass Frida uns erst zwei Wochen lang tagsüber besuchte, dann waren waren wir zwei Wochen in Frankreich (hätte jeden Welpen überfordert) und vor vier Wochen dann ist sie endgültig bei uns eingezogen.

Es ist erstaunlich, wie schnell so ein kleines Wesen beginnt seinen Menschen zu vertrauen (wir sind aber auch wirklich nett): tapste sie die ersten Nächte noch häufiger unruhig im Dunkeln um unser Bett, so entspannt ist sie inzwischen (von geräuschvollen Umdrehen, Recken und Strecken mal abgesehen) nachts und man bekommt sie morgens kaum dazu mal kurz Gassi zu gehen. Gut, 6:30 ist ja auch wirklich früh, aber so eine Welpenblase ist ja auch nur begrenzt belastbar. Als vorausschauender Mensch sieht man ja das mögliche Desaster schon am Horizont und ist mehr oder weniger gerne dafür bereit früher aufzustehen. Und am Wochenende danach wieder ins Bett zurück zu kehren.

Gassi gehen ist übrigens etwas, was manchmal ganz toll läuft (vergnügter Hund trippelt voran) oder in eine Kurzmeditation ausartet (Hund setzt sich hin und bewundert die Welt oder Hund erschnüffelt sich Zentimeter für Zentimeter die Umgebung). Aber andererseits klappt das, worum es beim Gassi gehen eigentlich geht, wie am Schnürchen.

In den vier Wochen bei uns hat sie jede Menge Neues erlebt und es als neue Normalität akzeptiert. Heute fuhr sie zum dritten Mal vorne im Korb mit uns Fahrrad und fand das richtig gut. Sie fährt mit uns ganz relaxed Auto, lernt viele neue Hunde kennen und findet es ganz OK im Cafe unter dem Tisch zu dösen. Wir sind jetzt zu dritt.

Und zwischendurch stellt sie die Wohnung auf den Kopf…

Frida und das Gummihuhn

bookmark_borderEine Brücke zu Tor

Nachdem in den letzten Tagen viele Erwähnungen von Snowflake durch meine Timeline purzelten, habe ich mich endlich einmal genauer mit dem Thema befasst. Es geht darum, Menschen im Iran – und natürlich auch Russland, China usw. – einen sicheren Zugang zum Internet zu geben, der nicht überwacht, zensiert oder eingeschränkt ist. Dafür gibt es bekanntlich das Tor-Netzwerk.

Mit Snowflake erschaffen Freiwillige zusätzliche Zugangspunkte zum Tor-Netzwerk und unterminieren so die Bemühungen der Zensoren alle IPs zu sperren, die einen Zugang zu Tor bieten. Es arbeitet als Browser-Plugin und ist durch die ständig wechselnden IPs der privaten Anschlüsse nicht in den Griff zu bekommen.

Das ist schon ganz prima, aber ich hatte da noch einen Server, der nicht so recht ausgelastet ist. Auch dort könnte man Snowflake installieren, aber empfohlen wird für Server die Einrichtung einer obfs4 Bridge, das auch deutlich besser konfigurierbar ist.

Das ist mit Ubuntu trivial, die Anleitung gibt es hier. Eigentlich nur ein apt Aufruf und die Anpassung der Konfiguration /etc/tor/torrc.

Also erst einmal

apt install tor obfs4proxy

und dann die /etc/tor/torrc anpassen. Das sind effektiv nur sechs Zeilen.

Ich habe die knappe Beispielkonfiguration noch um zwei Dinge ergänzt.

  • Normalerweise werden alle Meldungen in das syslog geschrieben. Das fand ich unübersichtlich und habe es in eine andere Logdatei umgeleitet
  • Ich habe Netzwerkdurchsatz auf 500GB pro Woche beschränkt. Die Brücke ist ja nicht alleine auf der Maschine und sollte dem Rest nicht zu viele Resourcen

Zum Schluss tor starten. Ein Blick in das Log zeigt, dass der Start erfolgreich war

Oct 02 11:02:04.000 [notice] Bootstrapped 15% (handshake_done): Handshake with a relay done
Oct 02 11:02:04.000 [notice] Bootstrapped 75% (enough_dirinfo): Loaded enough directory info to build circuits
Oct 02 11:02:04.000 [notice] Bootstrapped 90% (ap_handshake_done): Handshake finished with a relay to build circuits
Oct 02 11:02:04.000 [notice] Bootstrapped 95% (circuit_create): Establishing a Tor circuit
Oct 02 11:02:07.000 [notice] Bootstrapped 100% (done): Done
Oct 02 11:02:07.000 [notice] Now checking whether IPv4 ORPort XXX.XXX.XXX.XXX:YYYYY is reachable... (this may take up to 20 minutes -- look for log messages indicating success)
Oct 02 11:02:07.000 [notice] Now checking whether IPv6 ORPort [XXXX:XXX:XXX:XXXX::X]:YYYYY is reachable... (this may take up to 20 minutes -- look for log messages indicating success)
Oct 02 11:02:09.000 [notice] Self-testing indicates your ORPort  XXX.XXX.XXX.XXX:YYYYY is reachable from the outside. Excellent.
Oct 02 11:02:09.000 [notice] Self-testing indicates your ORPort [XXXX:XXX:XXX:XXXX::X]:YYYYY is reachable from the outside. Excellent. Publishing server descriptor.
Oct 02 11:02:11.000 [notice] Performing bandwidth self-test...done.

Alle sechs Stunden kommt dann eine Meldung über die Nutzung des Dienstes

Oct 02 17:02:04.000 [notice] Heartbeat: Tor's uptime is 6:00 hours, with 56 circuits open. I've sent 2.21 GB and received 2.23 GB. I've received 229 connections on IPv4 and 22 on IPv6. I've made 1851 connections with IPv4 and 500 with IPv6.
Oct 02 17:02:04.000 [notice] While not bootstrapping, fetched this many bytes: 13666060 (server descriptor fetch); 353 (server descriptor upload); 809017 (consensus network-status fetch); 82233 (microdescriptor fetch)
Oct 02 17:02:04.000 [notice] Heartbeat: In the last 6 hours, I have seen 59 unique clients.

Die Maschine, auf der meine Tor-Bridge läuft, ist jetzt ein Eingangsknoten oder sie hilft als Zwischenstation den Traffic zu anonymisieren. Aber sie ist kein Exit-Node, also ein Knoten von dem aus der Traffic wieder ins normale Internet gelangt. Denn das wäre mir zu gefährlich: Tor wird ja auch gelegentlich für Sachen benutzt, die nichts mit politischen Freiheiten oder Angst vor Verfolgung zu tun haben. Beispielsweise Urheberrechtsverletzungen, die hierzulande gerne mit der dicken Keule verfolgt werden. Das ist dann doch eher etwas für Profis.