Vor Jahren las ich in der Spektrum der Wissenschaft von einem Gedankenexperiment, das sehr schön illustriert, warum uns in der Jugend die Welt vielfältiger und abwechslungsreicher vorkommt als im Alter. Es war sinngemäß wie folgt beschrieben:
Als Erstes stelle man eine große Anzahl kleiner Schächtelchen auf. Danach setze man sich auf einen Stuhl und beginne mit Kügelchen um sich zu werfen. Jedes der Schächtelchen symbolisiert nun eine mögliche Erfahrung und ein Treffer ist der Moment, in dem man diese Erfahung macht.
Es ist nun leicht nachzuvollziehen, dass man zu Beginn des Spiels häufig Schächtelchen zum ersten Mal trifft. Je länger das Spiel dauert, um so häufiger landet die zweite, dritte, x-te Kugel in einer Schachtel. Und um so seltener gelingt ein Erstreffer.
Es ist eine Binsenweisheit, dass uns Neues wesentlich stärker im Gedächtnis bleibt als seine Wiederholungen. Das erste Mal Sex ist beeindruckender als das 243te Mal.
Die Schlußfolgerung ist offensichtlich: Dadurch, das die Anzahl neuer Erfahrungen pro Zeiteinheit beständig sinkt, wird das Leben im gleichen Maß fader. Wer das nicht möchte, der hat nur eine Möglichkeit: Aufstehen und neue Schächtelchen aufstellen.
Aber Vorsicht: Erfahrung heißt nicht notwendig angenehme Erfahrung. Die Schächtelchen symbolisieren nur ganz neutral Erfahrungen und sagen nichts darüber, ob sie uns angenehm ist. Das gilt auch für die neu aufgestellten Schächtelchen.
Wer davor Angst, der sollte ruhig auf seinem Stuhl sitzen bleiben und gar nichts mehr tun.