Horizonterweiterung Januar 2023

Hippopotomonstrosesquippedaliophobie

Vor ein paar Tagen hörte ich in einem Gespräch, dass Hippopotomonstrosesquippedaliophobie das längste Wort der deutschen Sprache wäre. Es kam mir reichlich seltsam vor und eine schnelle Recherche bestätigte meine Vermutung.

Schauen wir uns mal dieses lateinisch/griechische Monstrum genauer an:

hippopotamusNilpferd
monstrosgroß
sesquieineinhalb
pedalFuß
phopbieAngst

Ein Blick auf die Tabelle macht auf Anhieb deutlich, dass das ein Scherz ist, ein Hoax. Angeblich wäre die korrekte Bezeichnung Sesquipedalophobie, also die Eineinhalbfußangst. Aha, echt jetzt?

Wenn es um lange Worte geht, bleibe ich dann doch lieber bei Supercalifragilisticexpialigetisch.

CO2-Fußabdruck

Gerüchteweise hatte ich es schon einmal gehört, aber erst durch einen Beitrag auf WDR 5 habe ich mal nachgeforscht: der CO2-Fußabdruck ist eine Erfindung von BP aus dem Jahr 2004. Das Ziel war es davon abzulenken, dass Energiewirtschaft und Industrie mit Abstand die meisten Treibhausgase ausstoßen. Und die Strategie funktioniert, denn die Verlagerung der Verantwortung in den persönlichen Raum führt oft genug zu Frustration. Die Debatte wird verengt auf persönlichen Verzicht.

Natürlich ist es sinnvoll, das eigene Verhalten im Sinne des Fußabdrucks zu prüfen, aber es bei weitem nicht so wichtig, wie Druck auf Politik und Wirtschaft auszuüben, dass endlich massiv umgesteuert wird.

Mehr zum Thema gibt es hier.

Gelernt Dezember 2022

Kakao und Hunde

Kakao – und damit auch Schokolade – ist für Hunde (übrigens auch Katzen) giftig. Er enthält Theobromin, das schon in erstaunlich geringen Dosen zu einer Theobrominvergiftung führt. Bereits ein Teelöffel davon oder ein Riegel Zartbitterschokolade hätte auf Frida eine ganz hässliche Wirkung. Ich bin froh, dass sie von Anfang an Hundefutter bekommen hat und nicht mal eben etwas vom Tisch.

Bei einem Blick auf die Strukturformel von Theobromin hätte ich irgendwas mit Brom erwartet, aber tatsächlich setzt sich der Name aus theós ‚Gott‘ und broma ‚Speise‘ zusammen: Götterspeise. Vermutlich liebte der Entdecker des Alkaloids, der Herr Woskressenski, Schokolade.

Dunkeltuten

Im Blog von Herrn Buddenbohm blieb ich an dem Wort dunkeltuten hängen. Er erläuterte es auf der Seite nicht und so machte ich mich auf die Suche. Es bedeutet so viel wie „herumhängen“ und hat seine Wurzeln vermutlich in der Schiffahrt. Geriet früher ein Schiff in eine Nebelbank – vielleicht sogar nachts – blieb der Besatzung nichts anderes übrig als regelmäßig Signal zu geben und abzuwarten. Also im Dunkeln tuten und herumhängen.

… nennen sich Auslassungspunkte und durch das Fediverse habe ich gelernt, dass sie durch ein Leerzeichen von den anderen Worten des Satzes getrennt werden müssen. Herausgefunden habe ich das durch diesen Tröt von Sofasophia.

Aber nicht immer wird das Leerzeichen gebraucht, was sich auch schön illustrieren lässt: so ein Sch…

Horizont erweitern

Es gibt in diesem Blog seit vielen Jahren eine Kategorie, die ich viel zu stiefmütterlich behandele: Horizont erweitern.

Ich bin ein eher neugieriger Mensch und habe daher Freude daran über etwas zu stolpern, was ich aus welchem Grund auch immer interessant finde und bisher noch nicht wusste. Mein Interesse folgt da keinem Schema und ist recht unvorhersagbar.

Beim alltäglichen Herumgewische im Internet poppt da ganz gerne mal das eine oder andere auf, fesselt für einen Moment meine Aufmerksamkeit und versinkt dann wieder im Dunkel des Vergessens.

Das ist sehr bequem, völlig passiv und ziemlich doof.

Viel besser finde ich es an der Stelle etwas nachzuforschen und es mit eigenen Worten zusammenzufassen. So verschwindet es nicht spurlos, sondern im Gegenteil hinterlässt Spuren.

Das war die ursprüngliche Motivation für diese Kategorie. Und dann kam – siehe oben – die Bequemlichkeit und es läpperte immer wieder weg.

Diesmal probiere ich es mit einem Trick: in diesem Blog schlummert ein Eintrag für Dezember, der automatisch am 31. um 23:59 veröffentlicht wird. Er enthält zunächst mal nur den Satz „Diesen Monat habe ich nichts gelernt“. Da ich eine Veröffentlichung von so einem Satz dann doch peinlich finde, muss er durch Inhalt ersetzt werden.

Für Dezember ist mir das jetzt schon mal gelungen, das Ergebnis kann am 1. Januar besichtigt werden.

Gelernt Juli 2021

Pröbeln

Deutsch ist meine Muttersprache. Daher fand ich es äußerst ungewöhnlich über ein Wort zu stolpern, von dem ich mir sicher war es noch nie gehört zu haben.

Ich fand es in Das kalte Herz von Werner Plumpe, ein dickes Buch über die Geschichte des Kapitalismus, das es für kleines Geld bei der Bundeszentrale für politische Bildung gibt.

Eine erste Definition fand ich in der elektronischen Version des Duden: allerlei [erfolglose] Versuche anstellen. Eine noch bessere Erklärung fand ich auf den Seiten von Zeiss. Dort wird erzählt, dass Carl Zeiss seine Innovationen mit „trial and error“ entwickelte, was damals noch pröbeln hieß.

Womit auch deutlich wird, dass ein Muttersprachler des Jahres 2021 andere Worte kennt, als einer des Jahres 1847.

Überwasser

Überwasser war vor über 100 Jahren eine Gemeinde im Nordwesten von Münster. Seltsamerweise gibt es im Nordosten von Münster eine weit verzweigte Landstraße mit dem gleichen Namen. Und in Münster die Überwasserkirche. Beide nicht dort, wo die Gemeinde mal war. Als ob sich der Name losgezogen wäre und sich woanders niedergelassen hätte.

Arbeit (zu viel)

Anfang Juli hatte ich mit deutlich zu viel Arbeit zu leben. Das ruiniert Kreativität und Wohlbefinden. Diese Erkenntnis war mir nicht wirklich neu, aber ist jetzt wieder viel lebendiger. Und der Grund dafür, dass dieser Post diesmal so knapp ausfällt.

Gelernt Juni 2021

Reetdächer

Reetdächer sind etwa 40 cm dick und folgen ihren eigenen Gestaltungsgrundsätzen. Daher haben sie auch selten Fenster im Dachstuhl. Das führt dann schnell dazu, dass es unter dem Dach im Sommer warm und miefig wird. Also Vorsicht, wenn die Betten bei einer Ferienwohnung unter Reet im ersten Stock liegen.

Scharfer Mauerpfeffer

Das ist ein scharfer Mauerpfeffer.

Scharfer Mauerpfeffer

Eine gelb-grün leuchtende Pionierpflanze, die sich in Ording an den Deich klammerte. Und in einem Fish & Chips-Laden in der Nähe den Tisch dekorierte.

Pendenzenliste

Als ich heute durch das Internet flanierte, stolperte ich über die Pendenzenliste. In meinem Kopf entstanden sofort Assoziationen zu Pennälern und Oberstudienräten um 1900. Tatsächlich ist eine Pedenz einfach eine unerledigte Sache. Damit ist die Pendenzenliste das, was der moderne Mensch eine To-Do-Liste nennt .

Ich höre mich schon sagen: „Diese Pedenz werde ich gerne auf meine Liste setzen.“ Und danach nehme ich dann meinen Monokel ab.

Gelernt Mai 2021

Vor 10 Jahren begann ich für drei Monate aktiv Ausschau nach Neuem, Überraschenden und gelegentlich Seltsamen zu halten. Die Idee war Offenheit und Neugier nicht einschlafen zu lassen. Das kleine Projekt entschlief, da es als tägliche Übung gedacht war, sich aber nicht jeden Tag etwas Interessantes finden ließ. Das trübte den Spaß, denn es sollte ja Vergnügen sein und keine Übung in Selbstdisziplin.

Der Neustart kommt daher sporadischer daher, dafür pünktlich am Monatsletzten um 23:59. Den Rahmen bilden weiter die Monate, der Inhalt wird von Lust und Laune geprägt, mal mehr, mal weniger. Die Zeit wird zeigen, wie gut das funktioniert..

Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich den Namen der Rubrik geändert, aus Gelernt wird Horizont erweitern. Denn darum geht es ja.

Stentorstimme

Stentor war einer der Griechen, die Troja belagerten. Eines Tages nahm Hera seine Gestalt an und forderte die Griechen mit lauter Stimme zum Kampf auf.

Eine Stentorstimme ist also einfach nur eine laute Stimme.

Ich las die Tage von jemandem mit einer Stentorstimme in einem Blog und erinnerte mich, dass ich dieses Wort schon früher gelesen hatte (nie gehört, immer nur gelesen) und nie wusste, was es eigentlich bedeutet. Jetzt weiß ich es und da ich es aufgeschrieben habe, vergesse ich es wahrscheinlich auch nicht mehr.

Aaronstab

Das ist ein Aaronstab:

Aaronstab

Ich habe ihn tatsächlich schon mehrfach mit Flora Incognita bestimmt, aber da war die Blüte noch nicht geöffnet und ich habe ihn nicht erkannt. Da die Aaronstäbe wie jedes Jahr im Frühjahr recht plötzlich aus dem Boden schießen und überall im Kurpark auftauchten, wurde ich neugierig.

Wichtig: das ist eine Giftpflanze. Also nicht essen und besser auch nicht anfassen.

Rebeln

Bei einem Blick in das Kräuterregal fiel mir der gerebelte Majoran ins Auge. Was Majoran ist, weiß ich, aber rebeln?

Rebeln stammt ursprünglich aus dem Weinbau. Dabei werden die Trauben einer Rebe von den Stielen getrennt, damit später weniger Gerbstoffe im Wein sind. Inzwischen passiert das auch direkt an den Weinstöcken mit Hilfe passender Erntemaschinen (wie die wohl heißen? Rebler?). Das seltsam aussehende Resultat fiel uns vor zwei Jahren bei einer Wanderung in der Gegend um Marseillan auf: Grün beblätterte Weinstöcke, bei denen die Reben nur noch aus Stielen bestehen.

Zu den Gewürzen ist da der Weg nicht weit. Einfach die Blätter vom Stiel trennen, schon ist die Pflanze gerebelt.

Kadrierung

Ich las ein Interview mit Wim Wenders,, in dem er das Wort Kadrierung benutzte. Ich war mir sicher, dass ich dieses Wort noch nie gelesen hatte und forschte nach. Es ist ein Filmbegriff, der die Festlegung des Bildausschnitts bezeichnet. Es ist ein Import des französischen cadrage (Bildeinstellung). Was dann wieder etwas frei assoziiert zu Wim Wenders passt, der ursprünglich Maler werden wollte und so bereits früh über den richtigen Ausschnitt aus der Welt nachdachte, der auf das Bild soll. Und in Paris ließ er den angehenden Maler hinter sich und wurde zum Filmemacher.

Flora incognita und Holunderblütensirup

Es ist selten, dass eine App mich begeistert, aber Flora incognita muss ich über den grünen Klee loben. Aus der Zusammenarbeit des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie und der TU Ilmenau ist vor etwa zwei Jahren etwas ungemein Praktisches entstanden: eine App, die oft mit nur einem einzigen Foto bestimmt, welche Pflanze man gerade vor der Linse hat.

Ich kann zwar eine Eiche von einer Birke und eine Butterblume von einer Sonnenblume unterscheiden, aber ein paar Pflanzen weiter endete bisher mein Horizont. So etwas wie die Knoblauchrauke oder den Wiesen-Kerbel habe ich bisher nicht bewusst wahrgenommen, obwohl sie hier überall am Straßenrand wuchern.

Flora incognita bestimmt nicht nur die Pflanzen, sondern hält noch jede Menge Hintergrundinformationen bereit, etwa ob die jeweilige Pflanze giftig ist oder vielleicht sogar lecker. Wer sich registriert tut bei seinen Pflanzenbestimmungen auch was für die Forschung, denn aus den Daten lassen sich allerlei Erkenntnisse unter anderem über Verbreitung von Pflanzen ableiten.

Ein schlichtes Beispiel für eine Pflanzenerkennung zeigt das folgende Foto. Wir waren neugierig geworden, als wir am Wegesrand zwei Menschen sahen, die Blüten von einem Strauch abknipsten.

Wir hätten eigentlich selber darauf kommen können, dass es sich um Holunder handelt, aber die zusätzlichen Informationen über die Verwendung von Holunder brachten uns auf die Idee Holunderblütensirup herzustellen.

Das schnell ergoogelte Rezept war gut beschrieben und illustriert. Und das Ergebnis (hier nur eine Teilmenge) lässt sich sehen und ist vor allem sehr lecker.

Brocéliande

Vor zwei Jahren habe ich mich mal bemüht jeden Tag eine Kleinigkeit neu zu lernen. Wie das mit vielen Dingen so ist … letztlich versandete es. Aber seit ein paar Tagen lese ich in einem Buch, das mich dazu bringt Begriffe, die ich nie bewusst gehört habe nachzuschlagen. Der erste davon war Brocéliande, der Name eines sagenhaften Waldes in der Bretagne, der mit Merlin, Lancelot und Morgane zu tun hat.