Pfirsichblütenquell

Als ich tief im vergangenen Jahrtausend das letzte Mal an der Ruhr-Uni in Bochum war, fiel mir ein Spruch auf, den jemand mit einem schwarzen Edding auf eine Mauer geschrieben hatte:

Schade, dass Beton nicht brennt

Das brachte mein persönliches Urteil über den Bau sehr gut auf den Punkt. Ich sehe es heute nicht viel anders. Aber damals habe ich etwas übersehen, was auch dazu gehört und wirklich sehr schön ist: der botanische Garten der Ruhr-Uni.

Wir starten unsere Entdeckumgstour mit einem Streifzug durch verschiedene Klimazonen in den Gewächshäusern. Dann folgten wir einem Bach den Hang hinab zu den Sumpfzypressen ins Tertiär. Dabei lernte ich im Vorbeigehen noch etwas über diese Bäume, die aus zwei Wasserflächen zusammen mit ihren Kniewurzeln (auch Atemkniee genannt) herausragen. Sie sind Verwandte des Urweltmamutbaums und waren im Tertiär in der Gegend mal sehr verbreitet. Dadurch bilden sie die Grundlage für die rheinische Braunkohle, sind dann aber durch fallende Temperaturen – Bochum hätte im Tertiär in den Subtropen gestanden – hier ausgestorben. Heutzutage müssen sie aus Nordamerika importiert werden.

Aber der Star der Anlage ist der chinesische Garten. Er entstand auf Basis der Sage vom Pfirsichblütenquell von Tao Yuanming, in der ein Fischer durch Zufall in eine Felslandschaft gerät, in der Menschen in einer idealen Welt ein glückliches Leben führen. Der Garten soll Szenen und Eindrücke dieser Welt beim Betrachter erwecken. Ein Schild am Eingang erklärt den Sinn des Gartens

In diesem Sinne gibt der Chinesische Garten Anleitungen, das Land des Pfirsichblütenquells, das Paradies außerhalb der Welt, wieder zu finden: nämlich Harmonie und Gelassenheit, die es als Ziel eines langen und gelungenen Lebens zu erlangen gilt.

Und das Ganze kostet nicht mal Eintritt! Die Anlage war auch nicht übermäßig besucht, aber um den chinesischen Garten in Ruhe zu erkunden, sollte man nicht zu spät dran sein.

Münster

Wir mussten mal raus. Also nahm ich mir einen Tag frei und wir fuhren nach Münster. Mittwochs ist dort Markt und definitiv nicht so voll wie Samstags. Zwischen den Ständen ist aktuell viel Raum, was für mich gerne so bleiben darf, denn mit Geschiebe und Gedränge habe ich es nicht so.

Wir waren sogar in drei Läden, was sich im Moment immer etwas doof anfühlt. Im ersten hatten wir dank Voranmeldung und frühem Termin so um die 100 qm für uns allein. Im nächsten waren wir mit der Verkäuferin allein und im letzten mit zwei Verkäufern plus kurze Zeit eine weitere Kundin. Damit war das Infektionsrisiko höher als im Homeoffice, aber doch sehr begrenzt.

Nur die Luca App, die ja bereits für Negativschlagzeilen sorgte, nervte mich mit schlechtem UI Design: statt für das Auschecken einen Standardbutton zu verwenden, haben die Entwickler lieber ein ungebräuchliches Wisch-Widget eingebaut. Es dauerte einen Moment, bis ich darauf kam, wie das funktionieren sollte. Das dürfen die Entwickler der Corona Warn App gerne richtig machen.

Danach brauchten wir einen Moment der Ruhe. Die Stadt war zwar nicht voll gewesen, aber Dank Corona sind wir auch nichts mehr gewöhnt. Die Sonne schien, die Luft war angenehm, also gingen wir zu einem meiner Lieblingsorte: dem botanischen Garten. Die Orangerie begrüßte mit weit geöffneten Fenstern den Frühling und präsentierte voll Stolz ihre Wintergäste.

Auf den Bänken davor war es windgeschützt warm, einer der angenehmsten Orte in Münster. So etwas würde ich mir gerne einpacken und mit nach Hause nehmen.

Botanischer Garten Münster (Teil 2)

Der botanische Garten in Münster ist zwar mit seinen 212 Jahren nicht einmal halb so alt wie der Hortus Botanicus in Leiden, aber wenn wir in Münster sind, besuchen wir ihn immer wieder gern.

Diesmal – vielleicht wegen des guten Wetters – war er fast überfüllt. Auch mit Brautpaaren, die sich vor der idyllischen Kulisse ablichten ließen.

Der Hortus Botanicus in Leiden

Wir sind an diesem Wochenende noch einmal nach Leiden zurückgekehrt, denn schon im Februar hatten wir beschlossen uns bei nächster Gelegenheit den botanischen Garten dort anzuschauen.

Aber zuerst zog es uns bei gutem Wetter und Windstille an den Strand in Noordwijk. Chillen im Branding mit den Füßen im Sand, dem Blick auf die abendliche Nordsee und einem leeker biertje auf dem Holztisch.

Am nächsten Tag mussten wir dann spontan umdisponieren: Orkanartige Böen und heftiger Regen machten den Aufenthalt unter freiem Himmel eher unangenehm. Also besuchten wir das Museum De Lakenhal. Es war mal das Gewandhaus der Tuchmacher und besitzt heute eine schöne Sammlung von Gemälden des „goldenen Zeitalters“ und der Leidseplein fijnschilders. Es ist unglaublich, wie perfekt im 17. Jahrhundert gemalt wurde. Allein sich einmal die gemalten Samtroben aus der Nähe anzuschauen, ist beeindruckend. Bei vielen Bilder, besonders den fijnschilders, hat man das Gefühl, dass sie nicht mit einem Pinsel, sondern mit einem einzelnen Haar gemalt wurden.

Der Sonntag verwöhnte und glücklicherweise mit Sonnenschein. Also ab in den Hortus Botanicus. Er wird dieses Jahr 425 Jahre alt und ist damit einer der ältesten botanischen Gärten Europas. Ursprünglich war er für die medizinische Fakultät angelegt worden, da damals die Ärzte ihre Heilkräuter oft noch selber anbauten. Aber von Anfang an war er auch der Öffentlichkeit zugänglich.
Die alten Beete existieren im rekonstruierten Clusiusgarten immer noch in ihrer strengen Ordnung, aber im Laufe der Jahrhunderte ist der Garten um einige Gewächshäuser und interessante weitere Gärten erweitert worden. Auf dem Gelände befindet sich sogar ein Observatorium.

Und als typisch niederländische Besonderheit grenzt er auch noch an eine Gracht.

Botanischer Garten Münster

Es ist bemerkenswert, wie lange man schöne Plätze übersehen kann. Wir sind oft genug in Münster und eigentlich wollten wir uns den botanischen Garten schon seit Jahren ansehen, aber erst heute sind wir dazu gekommen. Ein fantastischer Oktobertag tat sein übriges um diesen Garten hinter dem Schloss zu einem Ort des Schauens und der Seelenruhe zu machen.

Nur die Öffnungszeiten sind etwas knapp: um 17:00 ist Schluss, ab Anfang November sogar schon um 16: 00.