Worpswede (und Fischerhude)

Es ist verblüffend, wie grundlegend falsch die eigenen Vorstellungen von einem Ort sein können. Wir stellten uns Worpswede eher als Dorf vor, wie wir es kennen : Kirche in der Mitte und recht eng darum gruppieren sich einige Häuser. Dazu kamen im Kopf noch ein paar Bilder aus dem Film Paula.

Die Wirklichkeit war völlig anders: vielleicht lag es daran, dass der Ort fast menschenleer war oder dass die Gebäude verstreuter lagen als erwartet oder dass die vermeintlichen Bauernkaten der Künstler sich als veritable Villen entpuppten. Wir machten einen Spaziergang den Sliekpadd entlang, sahen die Worpswede Käseglocke (sozusagen der Vorläufer eines Hobbithauses) und den seltsamen Niedersachsenstein (von Herrn Hoetger 1914 erst als Siegesdenkmal für den 1. Weltkrieg entworfen und ab 1916 geschwind in ein Denkmal für die Gefallenen des Krieges umentworfen). Die Aussicht war nett und zwischendurch lag ironisch ein Bootsanleger am Hang. Sogar mit Anzeige der Wasserhöhe.

Die Malerei der Modersohns und der anderen Worpsweder Maler passt perfekt in die Gegend. Man spürt, dass die Bilder etwas mit der Landschaft zu tun haben. Aber wenn ich ehrlich bin, hat mich diese Malerei nie wirklich berührt. Sie schien mir immer etwas bieder. Vielleicht war dann das der letztlich ausschlaggebende Grund, warum ich keinen Zugang zu dem Ort fand.

Fischerhude

Fischerhude gefiel uns besser… war aber auch sehr, sehr ruhig. Nur ein Kätzchen mauzte.

Bernhard Hoetger

Vor ein paar Wochen schauten wir uns den Ostfriedhof in Dortmund an. Ein schöne Mischung aus Park und Friedhof, auf dem einige Industriedynastien begraben liegen. An einer Stelle fiel mir dieser Grabstein auf:

Das kam mir bekannt vor. Und tatsächlich hatte ich vor zwei Jahren am Eingang der Böttcherstraße in Bremen etwas sehr ähnliches fotografiert :

Zuhause recherchierten wir dann in der Wikipedia und das Rätsel löste sich. In Dortmund ist der Bildhauer und Architekt Bernhard Hoetger begraben, der die Bötcherstraße in Bremen entworfen hat. Die Skulptur zeigt einen „Lichtbringer“ (er meinte damit vermutlich nicht Luzifer). Er versuchte damit sich und seine Ideen im dritten Reich an den Mann zu bringen. Hitler mochte es nicht, Hoetger wurde aus der Partei geworfen und seine Kunst zur entarteten Kunst erklärt.