Ein grosses Paket Luft

Die Vergänglichkeit eines Kunstwerks schafft ein Gefühl der Fragilität oder auch Verletzlichkeit und einen Dran gesehen zu werden; durch sie ist das Fehlen präsent, weil wir wissen, dass es schon morgen nicht mehr da ist.

Christo und Jeanne-Claude

Mit diesen Worten werden die Besucher des Gasometers in Oberhausen zu Christos „Big Air Package“ begrüßt. Und so riesig die Installationen von Christo auch sind, so gibt es sie immer nur für kurze Zeit. Diese eingebaute Vergänglichkeit macht – neben dem überwältigenden Effekt ihrer Größe – ihren Reiz aus.

Das Material, mit dem sich Christo auseinandersetzt, ist nicht gerade einfach zu handhaben: Luft. Unsichtbar, irgendwie nicht da. Und es gibt auch nicht viel zu sehen, außer leerem Raum in einem riesigen Ballon. Das führt natürlich zu der Frage, ob es nicht gereicht hätte einfach die Besucher in ein leergeräumtes Gasometer zu lassen.
Nicht wirklich, denn erst mit der Installation wird dieses abgepackte Stück Luft zum Thema. Es verschiebt den Blickwinkel.

Aber vielleicht sollten wir nicht immer im Winter zum Gasometer fahren: das letzte Mal waren die Temperaturen im Inneren geradezu arktisch … diesmal war es einfach nur kalt.

Arktisches Gasometer

In unserer Zeit mit ihrer naturwissenschaftlichen Weltanschauung sollte ein einsamer Augenblick in der Natur, wo die gesamte Evolutionsgeschichte in lebenden Bildern dargestellt ist, das einzige Surrogat für einen Gottesdienst sein.

August Strindberg

Dieses Zitat steht am Eingang der Ausstellung „Magische Orte“ im Gasometer in Oberhausen. Die Umsetzung des Zitats in Bilder ist schlicht, aber durchaus gelungen: im Erdgeschoss großformatige Bilder von „magischen“ Orten in der Natur, im Stockwerk darüber von Menschen gemachte Orte. Ein Streifzug durch die sieben + X Weltwunder. Die Fotos ordnen sich dabei dem Ausstellungszweck unter; sie erheben keinen eigenen großen künstlerischen Anspruch, sondern wollen nur die Orte vorteilhaft darstellen.

Star der Ausstellung ist aber zweifelsohne der künstliche Baum, der in das riesige Gasometer empor wächst.
Aber im Moment sollte man bei einem Besuch des unbeheizten Gasometers nicht nur war gekleidet, sondern auch gut isolierte Schuhe anhaben: der Boden des ersten Stockwerks besteht aus Stahl. Kalter Stahl. Er zieht die Wärme in atemberaubender Geschwindigkeit aus den Füßen.

Noch schattiger – aber absolut unverzichtbar – ist der Ausflug auf das Dach des Gasometers. Eingefrorene Kanäle aus der Vogelperspektive. Hat man auch nicht alle Tage.