Gestern saß ich im Museum am Ostwall, das schon seit Jahren nicht mehr am Ostwall sondern im Dortmunder U ist, in einem Schaukelstuhl und schaute mir leise wippend die Ausstellung Kunst –> Leben –> Kunst an.
Die Ausstellung hat das Museum selbst zum Thema. Warum macht man das Ganze überhaupt? Und wie?
Es beginnt bei der Gründungsdirektorin Leonie Reygers, die die von den Nazis diffamierte klassische Moderne ins Museum holte und gleichzeitig das Alltagsleben in Dortmund mit Kunst bereichern wollte. So kamen z. B. Werke von August Macke, Paula Modersohn-Becker und vielen anderen in die Sammlung. Dazu aber auch Möbel, Geschirr und andere modern gestaltete Alltagsgegenstände. Die nicht nur gesammelt, sondern zum Teil sogar benutzt wurden.
Mit dem Zeitgeist und den Direktoren änderten sich auch die Schwerpunkte. Auf diese Weise entstand eine große Sammlung zum Thema Fluxus mit Künstlern wie Joseph Beuys und Wolf Vostell.
Von Anfang an hat das Museum am Ostwall nicht nur die „hohe Kunst“ im Fokus, sondern wollte auch immer die Menschen im Ruhrgebiet mit einbeziehen. Daher entstand auch eine Sammlung autodidaktischer Kunst und insgesamt ein weit gefasster Begriff von Kunst.
Da passt es, wie sich der Schwerpunkt aktuell wieder ändert. Nachdem traditionell Kunst etwas war, das von weißen Männern aus Europa oder Amerika hergestellt wurde, erweitert sich gerade der Blick auf die ganze Welt und alle Geschlechter. Denn wenig überraschend wird Kunst auch von Frauen erschaffen und nicht einmal nur weißen Frauen. Manchmal sogar von queeren Menschen. Uiuiui. Vielleicht erklärt das auch, warum in den Räumen mehrere Security-Mitarbeiter aufpassten. Nicht jedem wird diese Entwicklung gefallen.
Aber es ging auch um den Museumsalltag. Am Beispiel von Mutter mit Kind auf dem Arm von Paula Modersohn-Becker wird gezeigt, wie Kunst ausgeliehen wird.

In einem kleinen Film wird die aufwendige Reise nach London begleitet. Das Gemälde allein in einer Spezialkiste in einem LKW, alles sorgsam dokumentiert und mit viel Vorsicht transportiert. Selbst der Zoll durfte die Kiste nicht öffnen!
Zurück zum Schaukelstuhl. Er gehört zu dem Three Chair Event von George Brecht. Drei Stühle, darunter der Schaukelstuhl, laden zum Sitzen im Museum ein. Ein Mini-Happening.


Ich habe natürlich alle drei Stühle ausprobiert.
Auch zum Mitmachen lädt der Quintenzirkel von Winter/Hoerbert ein. Wer sich daraufsetzt, erzeugt einen Klang. Setzen sich mehrere Leute, ertönt ein Akkord.

Leider war ich allein, so hallte nur ein einzelner Ton durch die Räume.
Als ich das U wieder verließ, war es dunkel geworden und draußen leuchteten die Roten Rosen.

Ich fand die Ausstellung unterhaltsam und habe einiges gelernt. Hat mir Spaß gemacht. Leider endet sie schon morgen.

Kommentare
Mmm. Eigentlich mal wieder ein Grund, in die verbotene Stadt zu fahren. Ich glaube es ist drei Jahre her, dass ich zuletzt im U war. Dass die Ausstellung nun wieder vorbei ist, ist natürlich blöd. Aber trotzdem eine tolle Lokation.
Ich bin immer wieder gerne im U, aber leider viel zu selten. Und ich bin neugierig : warum ist Dortmund für dich die verbotene Stadt?