Zurück in Bremen

Nach sehr langer Zeit sind wir mal wieder in Bremen. Und das gleich für ein paar Tage.

Da wir nicht zum ersten Mal hier sind, mussten wir nicht sofort das touristische Programm in Angriff nehmen, sondern konnten in aller Ruhe in die Stadt laufen und unterwegs am Ulrichsplatz schön in der warmen Sonne essen. Dabei kamen wir mit einem Ehepaar (so Ende siebzig) ins Gespräch, die um die Ecke wohnten und uns einiges über die Gegend erzählten. So wissen wir jetzt, dass der Herr Genscher hier mal seine Kanzlei hatte und dass gegenüber in einem Restaurant (heute Kneipe) Loriots Sketch mit der Nudel an der Nase gedreht wurde. Und in dem Geschäft daneben wurde noch ein weiterer Sketch gedreht. Und, und… ganz viele kleine Geschichten. War lustig.

Ansonsten sind wir durch die Stadt geschlendert, haben einer Sängerin zugehört und gleichzeitig Seifenblasen fliegen sehen, unglaublich viele Krokusse bewundert und haben vor dem Heimweg noch an der Weser in der Sonne ein Bier getrunken.

Zwei im Abendlicht

Aljezur und die Westküste

Es war wieder an der Zeit die Gegend kennenzulernen. Diesmal zunächst abseits der Küste im Landesinneren Aljezur. Kaum angekommen fühlte es sich nach Urlaub in den Bergen an: es ging steil bergauf zum Castelo und im Tal klingelte fröhlich die Kuhglocken. Das Wetter war wechselhaft; kaum oben, schon erwischte uns ein Schauer. Auf dem (rutschigen) Weg abwärts ließ sich schon wieder die Sonne blicken.

Sehr gute Petiscarias (in Spanien würde man sie wohl Tapas nennen) gegessen im Altasko

  • CROQUETES DE ALHEIRA – Geflügelkroketten mit einer Apfelsoße
  • PASTELINHOS DE BACALHAU – Bacalhau mit einer Feigen-Chili-Soße
  • BATATA DOCE CROCANTE – Süßkartoffelchips
  • MOUSSE DE CHOCOLATE -… mit etwas Salz

Dann zur Westküste. Der Praia de Monte Clérigo war die passende Einstimmung: windig und großartig. Ein bisschen wie die Bretagne… der raue Charme des Atlantiks.

Ein paar Kilometer weiter südlich das Ribat de Arrifana. Hier lag mal eine kleine maurische Festung auf einer felsigen Hochebene, die in den Atlantik ragt. Ein paar alte und ein paar nicht ganz so alte Mauern sind noch zu sehen. Dazu viel spektakuläre Landschaft.

Zum Abschluss noch ein Blick in die Bucht von Arrifana. Wer ganz genau hinschaut kann auf dem Bild die Surfer entdecken, die auf die nächste Welle warten.

Arrifana

Von Luz nach Sagres

Die Algarve kann auch Wolken. Nach knapp zwei Wochen blauem Himmel bewölkte sich gestern das Wetter. Ein guter Grund für uns etwas die Küste zu entdecken.

Erste Station war das Nachbardörfchen Burgau. Die Flut hatte den Strand fast völlig verschluckt und die Wellen leckten gelegentlich die Rampe ins Meer so weit hoch, dass ich meine Füße in Sicherheit bringen musste. Ansonsten herrschte tiefe, nebensaisonale Ruhe.

Ein paar Meter weiter hielten wir spontan am Praia das Cabanas Velhas. Ein paar Menschen machten Picknick, draußen in den Wellen paddelten zwei Surfer und regelmäßig kamen Leute, um mal zu gucken.

Praia das Cabanas Velhas

Weiter ging es nach Salema. Wir waren fest davon überzeugt, dass wir bei einer früheren Reise schon mal dort gewesen sind. Waren wir definitiv nicht. Jetzt rätseln wir, welcher Ort da in unserer Erinnerung herum spukt.

In Salema gibt es tatsächlich noch ein paar Berufsfischer. Und jede Menge Katzen.

Von Sagres, der vorletzten Station, gibt es hier keine Bilder. Mit seinen breiten Straßen, der lockeren Bebauung und den vielen Parkplätzen kam es mir wie ein Ort für Autofahrer vor. Finde ich eher unattraktiv. Aber wir haben lecker gegessen und ein Sagres (Bier) in Sagres (Ort) getrunken.

Zum Abschluss dann das Cabo de São Vincente, die südwestlichste Ecke des europäischen Festlands. Gekrönt wird es von dem hellsten Leuchtturm Europas. Pünktlich zum Sonnenuntergang (für uns unsichtbar, zu viele Wolken) erszrahlte er und die beiden riesigen Fresnsellinsen begannen langsam zu rotieren.

Nachtrag 3.12.2021

Das Rätsel hat sich nach einem Blick in unsere umfangreiche Fotosammlung gelöst : wir haben in der Erinnerung den Strand von Luz und eine Straße in Burgau zu einem Ort verschmolzen. In Burgau hatten wir lustigerweise so eine Ahnung, dass wir hier schon mal waren. Luz war völlig aus unserer Erinnerung verschwunden.

Lagos

Es ist erstaunliche 19 Jahre her, dass wir das erste Mal in Lagos gewesen sind, 2006 dann wieder und auch diesmal haben wir es bereits zwei Mal besucht. Es hat eine hübsche Altstadt und man kann lecker essen. Zwei gute Gründe die Stadt zu besuchen.

1434 öffnete Gil Eanes von hier aus für die mittelalterlichen Europäer neue Horizonte, indem er im Auftrag von Heinrich dem Seefahrer über das Ende der bekannten Welt hinaussegelte. Eigentlich sollten dort die Menschen von der Sonne schwarz verbrannt sein und das Wasser kochen. Ganz so war es dann doch nicht. Eine Zeit der Entdeckungen begann. Aber auch der Eroberungen. Und leider auch des Sklavenhandels, wofür Lagos ebenfalls mal berühmt war. Bis 1755 blieb es das Zentrum der Algarve, dann kam das große Erdbeben und mit ihm eine 11 Meter hohe Flutwelle, die die Stadt zu großen Teilen zerstörte. Sie wurde zwar wieder aufgebaut, aber seit dieser Zeit hat Faro die Rolle des Zentrums übernommen.

Der Tag fing heute am Praia de Dona Ana an. Die Hotels und Appartementanlagen hier am südlichen Rand von Lagos waren nebensaisonal ruhig. So fanden wir ohne Schwierigkeiten einen Parkplatz und während der kleine Strand sich langsam füllte nahm ich mir endlich mal wieder die Zeit für eine Skizze.

Das Foto von der Skizze entstand zwei Stunden später in Lagos, während wir auf das Essen warteten (ich erwähnte es ja schon: man kann dort lecker essen)

Der Tag verging überraschend schnell und so ging schon fast die Sonne unter, als wir am Ponta da Piedade ankamen. Ein niedlicher Leuchtturm, beeindruckende Felsformationen und immer mehr goldenes Licht summierten sich zu einem schönen Tagesausklang.

Unten und oben

Auf dieser Reise ist einiges anders: sonst starten wir, kaum sind wir angekommen, schon die ersten Entdeckungstouren. Diesmal sind wir eher wie kleine Kinder unterwegs, die langsam den Radius ihrer Entdeckungen vergrößern.

Montag erkundeten wir bei Ebbe (wichtig) am Strand entlang den Weg zum Rocha Negra, eine schwarze Felsformation vulkanischen Ursprungs. Der recht kurze Weg geht über Sand, durch Wasser und über (mäßig glitschige) Felsen. Macht Spaß. Auf der linken Seite geht es 100 Meter nach oben einmal quer durch ein paar Millionen Jahre Erdgeschichte. Angesichts der Zeiträume, die da so sichtbar in Gesteinsschichten gepresst sind, fragte ich mich, wie viele Millimeter da unsere 5000 Jahre Zivilisation ausmachen würde. Vielleicht 5mm von den 100 Metern? Ich weiß es nicht, aber auf alle Fälle ein guter Zeitpunkt die eigenen Maßstäbe mal wieder zu kalibrieren.

Heute haben wir dann unseren Radius erweitert… oder besser erhöht: wir sind hochgelaufen zum Marco Geodésico da Atalaia und haben uns von dort die Gegend von oben angeschaut.

Marco Geodésico da Atalaia

Wer im ersten Post zu dieser Reise genau hinschaut, kann diese Landmarke als winzige Nadel entdecken. Von dort oben sieht einiges ziemlich anders aus als unten von unserem Balkon . Der Strand ist kein schmaler Streifen mehr, sondern ein Dreieck. Auf halber Höhe ist nicht nur ein schmaler Absatz, sondern eine große Ebene. Und wenn man oben etwa bis auf die Höhe des Rocha Negra gegangen ist, sieht man nicht nur wie unten schwarze Lava, sondern in der Ferne Lagos.

Die Perspektiven sind sehr unterschiedlich, aber interessant sind sie beide.

Zum Abschluss – wieder auf Meeresniveau – gönnten wir uns ein kleines Bier.

Und danach noch ein großes…

Praia da Luz

Vor etwa 24 Stunden sind wir in Portugal gelandet. Noch dürfen wir das Gefühl auskosten fast unendlich viel Zeit vor uns zu haben. Tatsächlich sind es nur drei Wochen, was sich aber nach einer richtig langen Zeit anfühlt, denn so viel Urlaub hatte ich schon ewig nicht mehr.

Der Blick heute Morgen vom Balkon. Es ist ruhig, nur das Meer rauscht. Schwalben fliegen vorbei, ab und zu kreischt eine Möwe und unten am Strand laufen ein paar Menschen mit ihren Hunden entlang. Gelegentlich bellt einer der Hunde, ich glaube vor lauter Begeisterung. Kann ich gut verstehen.

Praia da Luz war mal ein Fischerort, der sich in den letzten 100 Jahren zum Ferienort gewandelt hat. Und eigentlich hieß er früher auch nur Luz, das Praia da kam erst 1928 dazu als die ersten Touristen hier auftauchen (nach anderen Quellen ist es eine Verkürzung von Praia de Igreja Nossa Senhora da Luz) . Glücklicherweise blieb die Gegend von großen Hotelbauten verschont und wurde nur mit Appartements touristisch erschlossen. Was insgesamt zu einer ruhigeren Atmosphäre beiträgt. Und wo früher kleine Fabriken für Fischkonserven und Fischerhütten an der Avenida dos Pescadores standen, lädt heute eine hübsche Strandpromenade zum Flanieren ein.

Da wir gestern erst spät ankamen, stand uns heute der Sinn nur nach einem Spaziergang durch das Dorf und den Strand entlang. Und auf dem Balkon sitzen. Irgendwann ging dann die Sonne unter und vergoldete die Klippen.

Mehr war nicht. Aber für Entdeckungen haben wir ja noch viel Zeit.

C/O Berlin

Nach Potsdam trafen wir uns mit meiner Familie in Berlin. Aber da Familie privat und ein Blog öffentlich ist, gibt es über den Teil unserer Reise nichts zu lesen. Dafür was über das C|O Berlin, das direkt dem Bahnhof Zoo im Amerika Haus Ausstellungen von visuellen Medien anbietet.

Es fanden zwei Ausstellungen gleichzeitig statt. Das Erdgeschoss war für Lee Friedlander reserviert, der am Liebsten ein Sujet als Serie entdeckt. Selbstporträts, Monumente, Menschen bei der Arbeit oder mit Little Screens der Siegeszug des Fernsehers im amerikanischen Alltag. Die Perspektive ist gelegentlich ungewöhnlich, genau wie die Bildausschnitte, aber sie funktionieren ebenso subtil, wie perfekt. Selbst seinen eigenen Schatten benutzt er in seinen Fotos; bis dahin eher ein Fehler, als ein Gestaltungsmittel.

Little Screens wurde dann ein Stockwerk höher von Peter Miller zitiert, indem er eine Lochwand aufstellte, mit deren Hilfe man sich in ein klassisches Foto von Lee Friedlander hinein mogeln konnte. Diese Ausstellung im ersten Stock war viel spielerischer und ironischer. So werden auf Cyanotypien Feuerwerke zu Blumen und in ein Foto kann man tatsächlich hinein gehen (kann sich jeder zu Hause selber basteln). Der Kontrast zwischen dem Fotografen, der vorwiegend in Schwarzweiß die Welt mit seiner bevorzugten Kamera abbildet und dem visuellen Künstler, der spielerisch die Welt der Fotografie mit ihren diversen Bezügen erkundet, ist enorm. Trotzdem passt es zusammen, ergänzt sich und beide haben mich inspiriert.

Natürlich gab es auch touristisches Programm mit unter anderem dem Potsdamer Platz (fotogene Architektur, aber nach 5 Minuten ist man damit fertig), einer Bootstour (das Bundeskanzleramt ist inzwischen üppig bewachsen; steht ihm gut) und dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas (kann ich nicht so viel mit anfangen, angesichts der Ungeheuerlichkeit des Holocausts entwickelte Peter Eisenmann die Idee eines place of no meaning, was für mich nicht funktioniert: die Installation „Schalechet“ im jüdischen Museum fand ich wesentlich berührender)

Und noch ein Tipp: die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Strasse besuchen. Es kostet nichts und die Realität der Mauer – die ich ja auch noch mitbekommen habe – durch die Jahrzehnte wird sehr präsent gemacht.