Fluxus im U

Fluxus kannte ich bisher eigentlich nur dem Namen nach, bestenfalls fiel mir dazu noch Wolf Vostell ein. Nach dem Besuch der Ausstellung im U weiß ich jetzt, dass Fluxus wirklich witzig sein kann: Leute, die Dinge wie „Der kleine Brandstifter … Verschiedene für eine Brandstiftung verwendbare Materialien: Feuerzeug, Streichhölzer, Papier, Holzspäne, Stroh, Benzinampulle, in leinenbezogener Holzschachtel“ oder Rollmopsgläser mit Kunstaufkleber in die Welt setzen, verfügen mindestens über viel Kreativität (und einen gelegentlich anarchischen Humor).


Und das Rahmenprogramm: Frühstück im Cafe Asemann und Kaffeetrinken mit Törtchen im Kieztörtchen

Stadtlichter

Vielleicht nicht die hohe Kunst, die im Lichtkunstmuseum geboten wird, aber eine schöne Verklärung der Wirklichkeit: der Westfriedhof war an den letzten Abenden Schauplatz einer Illuminierung, die ihn – im Sinne des Wortes – in ein ganz anderes Licht tauchte. Und auch der Platz der Kulturen war ein Teil der Installation.

Eine schöne Erfahrung oder um es mit einem der Sprüche zu sagen, die auf Turells Skyspace projeziert wurden:

Leben heißt träumen, weise sein heißt angenehm träumen.

Friedrich Schiller

Belgien: Sandwürmer, hohe Türme und ovale Gedanken

Acht Tage Belgien sind vorbei: zuerst waren da zwei Tage in Mechelen, der Stadt, die die bedeutendste Schule für Carillons hat. Oder auf Deutsch: Glockenspiele. Eines davon, befindet sich im 97,30 Meter hohen Turm der Kathedrale … den wir natürlich erklommen haben. Oben sieht man dann auf der einen Seite Antwerpen und auf der anderen Seite Brüssel. Es ist ein bisschen wie fliegen.

Danach Küste und Kunst: Beaufort 04. Wir hatten unseren Standort in der Nähe von de Haan gewählt (der richtige Standort ist an der belgischen Küste sehr wichtig, denn er entscheidet, ob der Strand von Dünen oder von Hochhäusern begrenzt wird). Allerdings hatten wir das Gefühl, das sich die interessanteren Kunstwerke genau auf der anderen Seite der Küste befanden. Daher diesmal etwas weniger Kunst, dafür viel Küste und etwas Brügge.
Und sehr abwechslungsreiches Wetter: alles außer Regen. Bei Nebel am Strand zu stehen und die Wellen zu hören, aber weder das Meer noch die Dünen zu sehen, ist eine wirklich interessante Erfahrung.
Das Bild rechts oben ist übrigens der Sandwurm aus der Überschrift; 50 Meter lang und begehbar. Und wer genau hinschaut, der findet auch den ovalen Gedanken.

Der Hohenhof

Der Hohenhof war -wie es die Wikipedia nennt – „Wohnhaus, Gesamtkunstwerk und Knotenpunkt eines europäischen Kulturnetzwerks“. Entworfen wurde es von Henry van de Velde für Karl Ernst Osthaus, der auch das Folkwang Museum in Hagen gründete (das heutige Osthaus Museum), dessen Bestand kurz nach seinem Tod von den Erben an die Stadt Essen verkauft wurde.

Wir haben es an diesem Sonntag besucht. Es ist wirklich ein vollständig im Jugendstil durchgestyltes Gesamtkunstwerk. Und ein schöner Einblick in das Leben der Reichen vor hundert Jahren. Aber so schön und sehenswert es auch ist, so blieb bei mir doch ein Eindruck haften: es ist eher dunkel; das Gegenteil von lichtdurchflutet.

Osthaus Museum

Da habe ich jahrelang in Lüdenscheid und jetzt in Unna gelebt, aber war nie im Hagener Osthaus-Museum … obwohl es ja quasi immer vor der Haustür lag. Erst als uns jetzt ein Bekannter dort eine Ausstellung empfahl, sind wir kurzentschlossen nach Hagen gefahren.
Uns erwartete ein schönes und großzügiges Kunstmuseum, bei dem sich auf gelungene Weise der historische Teil von Henry van de Velde und der Neubau ergänzen.


Die Ausstellung selber war ein Querschnitt durch die aktuelle Kunst in Berlin. Riesige, voluminöse Selbstportraits von Lilli Hill, die überraschen winzigen und herrlich sarkastischen Bilder von Michael Sowa (der Mann scheint mit einzelnen Pinselhaaren und einer Lupe zu malen) und die subtil irritierenden Werke von Thorsten Holz.

Und für Filmliebhaber gibt es bei Michael Sowa noch einen Leckerbissen: Der Hund mit der Halskrause und die Gans mit der Perlenkette aus Die fabelhafte Welt der Amelie hängen ebenfalls in goldgerahmt in der Austellung.

Auch nett: man darf im Museum fotografieren und die Eintrittskarte behält den ganzen Tag über ihre Gültigkeit, auch wenn man zwischendurch das Museum verlässt.

Sisley in Wuppertal

Alfred Sisley hat die zweifelhafte Ehre der Impressionist gewesen zu sein, der am wenigsten Erfolg hatte. Vielleicht lag es daran, dass er im Gegensatz zu seinen Freunden Renoir und Monet sich auf ein einzelnes Sujet – die Landschaft – spezialisiert hatte. Diese Landschaften, die mit leichtem Pinsel und einem faszinierenden Gespür für Farbnuancen gemalt sind, fangen perfekt die Stimmung – oder besser die Poesie – ein.

Die Ausstellung wird von einem interessanten Film über Sisley Leben und Werk begleitet. Wir hatten uns einen Teil vor und einen Teil nach dem Besuch der Ausstellung angesehen. Mit einem interessanten Effekt: Man nahm die Filmbilder von den französischen Landschaften anders – vielleicht malerischer – wahr, nachdem man durch die die Ausstellung gegangen war. Mindestens für den Augenblick hatten seine Bilder unsere Wahrnehmung geändert. Außergewöhnlich.

Warum die Ausstellungsmacher allerdings dieses quietschige Gelb als Grundfarbe für Website, Katalog und Plakate gewählt haben, bleibt mir ein Rätsel.

Die Ausstellung ist noch bis Ende Januar in Wuppertal zu sehen. Wuppertal gehört nicht (sorry) zu meinen Lieblingstädten (zu tallagig), aber das Luisenviertel zu besuchen ist immer wieder nett. Es gibt schöne Cafes und man kann etwas schlendern.

Louise Bourgeois

Louise Bourgeois hat ein paar Jahre vor ihrem Tod eine Skulptur geschaffen, die ihrer Mutter gewidmet ist: Maman. Das es sich dabei um eine riesige Spinne handelt, irritiert auf den ersten Blick. Aber ihre Mutter restaurierte Tapisserien, so wie eine Spinne ihr Netz in Ordnung hält. Weiter gefasst lässt sich im Spinnenfaden auch der Faden des Lebens entdecken …

Mittlerweile touren mehrere Exemplare dieser Skulptur um die Welt. Das erste Mal bekamen wir 2006 eine in Belgien zu Gesicht. Sie bewachte als Teil der „Kunst an der Küste“ ein Grab. Das zweite Mal entdeckten wir sie am Guggenheim-Museum in Bilbao und jetzt die dritte Spinne in Basel im Garten der Fondation Beyeler.

Mal schauen, ob wir sie in Zukunft noch häufiger sehen werden.