Austern

Ich esse nicht oft Austern, aber heute war es wieder so weit. Genau genommen war es heute das dritte Mal (die beiden anderen Gelegenheiten wurden verbloggt).

Eigentlich war der Plan nach einem kurzen Zwischenstopp in Bouzigues weiter nach Sète zu fahren und letztlich zum Strand.

Bouzigues

Hat nicht ganz geklappt, denn wir haben uns zu lange in Bouzigues herumgetrieben. Und schon war Mittag. Die Franzosen sind was ihre Zeiten Mittag zu essen ungemein pünktlich. Bis nach Sète hätten wir es für ein Mittagessen nicht mehr geschafft, also haben wir hier geschaut. Beim Essen in Sichtweite zum Etang zu sitzen, hat ja auch was.

Allerdings ist Sonntag. Zumindestens in dieser Gegend lieben es die Leute sich Sonntagmittags mit einem Restaurantbesuch zu verwöhnen. Daher bekamen wir im ersten Restaurant folgendes zu hören: Vous avez réservé ? Désolé, nous sommes complets. Nichts zu machen, ohne Reservierung kein Platz.

Im Les Rives de Thau hatten wir dann Glück, bekamen den letzten freien Platz und bestellen eine Plateaux de coquillages. Sie enthielt neben rohen Austern und Muscheln etwas für mich Neues: gratinierte Austern. Mag ich vielleicht noch mehr als rohe Austern. Glaube ich. Muss ich noch mal probieren.

Aufgegessen :-)

Nach Sète haben wir es dann nicht mehr geschafft; wir sind direkt zum Strand gefahren.


Strandleben im Languedoc

Wenn alles zusammenpasst, dann ist die Zeit am Strand eine perfekte Melange aus Sonne (aber nicht zu viel), Wärme, erfrischendem Meer (erfrischend, aber nicht kalt) und natürlich jede Menge Sand (nicht zu fein, nicht zu grob). Und nicht zu vergessen die Muscheln am Strand und im Wasser.

Heute passte alles.

Dazu noch als i-Tüpfelchen die Besonderheit des Plage de Robinson in Marseillan-Plage: der mobile Eisverkäufer.


Piqûres de moustiques…

… oder auf Deutsch Mückenstiche. Durch die Hitze der letzten Wochen, regelmäßig von Gewittern unterbrochen, haben dieses Jahr die Stechmücken Hochkonjunktur. Es ist jetzt nicht so, dass hier riesige Mückenschwärme unterwegs wären. Es sind eher Minigrüppchen, die sich fast unsichtbar und nahezu lautlos bewegen. Französische Ninja-Mücken, die mich ins Ohrläppchen stechen, ohne dass ihr Anflug zu hören gewesen wäre.

Die Menschen, die hier leben, scheinen weniger davon betroffen zu sein. Wir sind vermutlich so etwas wie importiertes Gourmet-Food für die kleinen Biester.

Empfand ich vor dieser Reise noch zum Beispiel fünf Mückenstiche als unangenehm, so hat sich da mein Bezugssystem massiv verändert: allein am rechten Unterschenkel tummeln sich 20 Stiche; insgesamt sind es über 50. Die genaue Anzahl kenne ich nicht, denn ich verzähle mich bei der Bestandsaufnahme zu schnell.

Daniela reagiert leider deutlich empfindlicher auf auf die Stiche, so dass wir bei Abwehr- und Heilmitteln noch einmal aufgestockt haben. Das funktioniert so halbwegs und wir freuen uns über jeden abgewehrten Stich und jeden besänftigen Juckreiz. Aber ohne die Plage – wie vor vier Jahren – wäre schon netter. Vielleicht müssen wir an unserer Reisezeit arbeiten.

Und nein, zu diesem Post gibt es keine Fotos.


Usclas-d’Hérault

Wir haben unsere Unterkunft für die nächsten Tage in Usclas-d’Hérault, einem ruhigen Örtchen am Ufer des Hérault, das knapp 500 Einwohner hat. Eine Bewohnerin des Dorfs, die es aus Bayern hierher verschlagen hat, verriet uns auf die Frage nach der örtlichen Weinkooperative, wie ruhig es hier ist: „Die haben zu gemacht. Hier gibt es nichts. Es gab mal einen Brotautomaten, aber der ist auch schon lange weg.“ Also so richtig Südfrankreich à la campagne. Uns stört es nicht, eher im Gegenteil.

Unsere Unterkunft gehört zu einem Gebäudeensemble, das auf den Resten der mittelalterlichen Befestigung gebaut wurde. Ein Quadrat von gerade mal 40 mal 40 Metern. Mit eingemauert in diese „Reihenhaussiedlung“ ist die Kirche und der Kirchturm, der auch gleichzeitig als „Stadttor“ dient und direkt an unser Haus grenzt.

Jede einzelne Stunde begrüßt er mit der korrekten Anzahl von Schlägen und wenn man mal unaufmerksam war (waren das jetzt neun oder zehn Schläge?), haben die Konstrukteure auch dafür eine Lösung einfallen lassen: nach etwa einer Minute wird das Geläut einfach wiederholt und man hat jetzt die Gelegenheit noch einmal konzentriert mitzuzählen. Überraschend schnell gewöhnten wir uns daran, vor allem nachts.

Was mich überraschte, war der Damm, der fast um den ganzen Ort führt. Er wurde vor gut hundert Jahren errichtet und schützt die Bewohner vor Hochwasser des Hérault. Wenn man durch die Weinfelder spaziert, kann man sich gar nicht vorstellen, dass der Fluss derart über seine Ufer tritt.


Châtillon-sur-Chalaronne

Immer, wenn wir nach Südfrankreich fahren, legen wir ein paar Kilometer nördlich von Lyon eine Zwischenübernachtung ein. So haben wir unter anderem Beaune und Chalon-sur-Saône kennengelernt. Diesmal verschlug es uns in das mittelalterliche Städtchen Châtillon-sur-Chalaronne.

Die Chalaronne

Die Chalaronne schlängelt sich malerisch zwischen den alten Gebäude durch und über allem thronen die Reste einer Burg. Damit das Stadtbild noch etwas hübscher wirkt, ist alles üppig mit Blumen dekoriert. Dafür hat die Gemeinde sogar Preise gewonnen.

Markthalle

Mir gefiel am Samstag der Markt in der alten Markthalle. Ursprünglich 1440 gebaut, wurde sie nach einem Brand 1670 wieder errichtet. Eigentlich ist es nur ein Dach, das auf alten Eichenbalken in zehn Metern Höhe Händler und Kunden vor Regen und Sonne schützt. Und es braucht gar nicht so viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie das Markttreiben wohl früher ausgesehen hat, denn selbst heutzutage kann man dort noch neben Lebensmitteln und Blumen lebende Hühner und Truthähne kaufen.


Verbrennungsmaschinen

So, jetzt ist er da, mein neuer Führerschein. Zeit, noch einen letzten Blick auf das alte Pappding zu werfen, das mich Jahrzehnte (!) begleitet hat und inzwischen auch so aussieht .

Zwei Dinge fielen mir zum Abschied auf:

Das Foto. Es ist vollkommen unbiometrisch; das Halbprofil war damals Vorschrift, damit ein leibhaftiger Mensch die Ähnlichkeit zwischen Foto und realer Person besser beurteilen konnte. Das heutige geradeaus Glotzen ist dagegen nur für Maschinen. Aber das Lächeln war schon damals unerwünscht.

Die Verbrennungsmaschine. Offenkundig konnte sich damals niemand vorstellen, dass ein Auto anders als durch eine Verbrennungsmaschine angetrieben werden könnte. Also hätte ich mit dieser Erlaubnis wörtlich genommen zwar eine Dampfmaschine, aber keinen Elektromotor als Antrieb benutzen dürfen.

Face to Face

Wir waren nach langer Zeit wieder in einer Ausstellung auf Haus Opherdicke: Face to Face, die Porträts aus den letzten 120 Jahren zeigt. Auch diesmal steuerte die Sammlung von Frank Brabant die meisten Werke bei, sodass thematisch viel Expressionismus und neue Sachlichkeit vertreten ist.

Durch Zufall kamen wir genau rechtzeitig für die öffentliche Führung an und konnten so mehr über die Bilder und ihre Beziehungen zueinander erfahren. Denn die Kuratoren hatten sich einiges bei der Hängung gedacht und mischten unter Nolde, Liebermann und Dix vergessene Maler und Gegenwartskunst. Das ist spannend, braucht aber Erklärung. Ohne die Hinweise aus der Führung hätten wir vieles nicht wahrgenommen.

Mein persönlicher Favorit in der Ausstellung stammt aus diesem Jahr. New Shortcut von Pascal Sender. Ein Selbstporträt mit dem Smartphone und dazu Bilder aus seinem Alltag, darüber weiße Farbstrukturen. Analoge Kunst, die ihre Wurzeln im Digitalen hat.

Neben dem Bild hängt ein QR-Code.

Der QR-Code führt zu einem Instagram-Filter, der das Bild durch das Smartphone hindurch in die dritte Dimension wachsen lässt. Vor allem die Hand, mit der er das Handy hielt, als er das Selbstporträt machte. So kommt man wieder vom Analogen ins Digitale und dorthin, wo das Bild begann.

Das wird nur funktionieren, solange es diesen Filter bei Instagram gibt, es ist also Kunst mit überschaubarer Lebensdauer. Was wiederum zum stetigen Strom in den Social Media passt, in denen alles kurz Aufmerksamkeit beansprucht und danach sofort vergessen wird.